VON DEM ABKOMMEN VON LAUSANNE BIS HEUTE

 

Die Armenier, die im Lausanner- Friedensvertrag, welcher die Armenier- Frage gänzlich aufhob, von den alliierten Staaten im Stich gelassen wurden und verstanden, dass sie ihre Ansprüche in der Türkei nicht verwirklichen konnten, wandten sich erneut an die Russen. Die Armenier betrachteten die Russen, als historische Feinde der Türken und rechneten mit der russischen Politik, an die südlichen Meere zu gelangen, wodurch Russland sie unter allen Bedingungen schützen sollte. Auf der Basis dieser Gedanken arbeiteten die Armenier ein Programm aus und legten die folgenden Prinzipien als Arbeitspunkte fest:

a. Die Festigung der Wirtschaft und Kultur der armenischen sowjetischen Republik, separat vom zentralen Regime.
b.
Die Wahrung und Belegung nationaler Gefühle, der Religion, Sprache, Kultur und Ziele der weltweit verstreut lebenden Armenier.
c. Die Fortsetzung der armenischen Forderungen und Behauptungen in den europäischen Staaten und im Völkerbund, wobei jede Gelegenheit ausgenutzt werden soll.
d. Spenden für das armenische Volk und für armenische Einwanderer über Wohltätigkeitsorganisationen sammeln, Waisenkinder aufziehen, Hilfen für Alte und Bedürftige zur Verfügung stellen.

Zur Umsetzung dieses Programms, sowie für Beiträge der in Europa lebenden Armenier wurde die Gründung einer Organisation geplant. Doch erhoben einige Kreise Einwände dagegen, dass erneut Komitees ins Spiel kommen sollten. Trotzdem setzte die Taschnak ihre Forderungen nach ein „einheitliches und unabhängiges Armenien“ fort.

Nach der Proklamation der Republik schlossen die Sowjetunion und die Türkische Republik am 17. Dezember 1915 einen Nichtangriffspakt. Der Pakt war rund 20 Jahre gültig. Erst nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, erklärte der sowjetische Außenminister in einer Note an den türkischen Botschafter in Moskau, den Pakt für ungültig. Zeitgleich reichten führende Mitlgieder der armenischen Diaspora in den USA an den Präsidenten Hary S. Truman ein Schreiben. In dem von Mitgliedern der Taschnak Bewegung verfassten Schreiben wurde der Präsident aufgefordert, zur Anerkennung Armeniens, dessen Grenzen 1920 vom damaligen US-Präsidenten Voodrov Wilson gezeichnet war, auf die Tagesordnung der Vereinten Nationen zu bringen.

Die Sowjets verfolgten nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Politik gegen die Armenier. So sollten alle Armenier auf der Welt zu einem Aufstand für die Versammlung in der armenisch- sowjetischen Republik aufgehetzt und Türkenfeindlichkeit erneut angestiftet werden, damit Ostanatolien Russland angeschlossen werden konnte. Im Rahmen der Propaganda wurden jegliche Hilfen der Sowjets aufgelistet und das Glück der Armenier im sowjetischen lebenden Armenier übertrieben verlautbart. Es wurden Agenten in die Länder geschickt, wo sich die armenische Diaspora befand. Es wurden armenische Vereine gegründet. Die Sache der Armenier wurde als ein Menscheits- und Rechtsproblem dargestellt, wobei große Staaten zum Vermitteln gebeten wurden.

Folgende Arbeiten wurden in dem betreffenden Prozess geleistet:

· Im Dezember 1945 wurde in der US-Hauptstadt Washington von Armeniern ein amerikanisches Komitee unter dem Namen „Gerechtigkeit“ gegründet. Dieses, von Personen aus kommunistischer Szene gegründetes Komitee veröffentlichte eine Deklaration und forderte darin die Rückgabe der östlichen Teile Anatoliens an die armenische Republik, sowie die Anerkennung der von Wilson gezeichneten türkisch-armenischen Grenzen.

· Der Ecmiyazin Bischof Kevork Cörekçiyan Vl. gab dem sowjetischen Präsidenten Stalin, dem amerikanischen Präsidenten Truman sowie dem englischen Premier Atlee je eine Note. Darin wiederholte er die alten Behauptungen und forderte den Anschluss der ostanatolischen Provinzen an das sowjetische Armenien.

· Die Arbeiten der Sowjets in Syrien und Libanon waren wie folgend: Die Sowjets nutzten die schwache Führung in Libanon und Syrien aus und intensivierten ihre Arbeiten über Armenier in diesen Ländern. Unter dem Vorwand der Hilfe wurden die Armenier aufgehetzt. Für diese Tätigkeiten, die von sowjetischen Diplomaten geführt wurden, hat man in Aleppo, Damaskus, Beirut und in vielen anderen Städten Zentren eröffnet. Es wurden Schulen eröffnet, wo sowjetisch-armenische Lehrer unterrichteten. In diesen Schulen wurden ferner als Agenten Offiziere eingeschleust. Nach all diesen Arbeiten wurde eine armenische Organisation mit 100 Tausend Mitgliedern gegründet, davon 30 Tausend in Libanon. Der sowjetische Botschafter Solod, gründete gemeinsam mit einer kommunistischen Partei unter dem pro-sowjetischen Armenier Hrant Devyan, den „armenischen Freundschaftsverein“ in Damaskus. Diese Organisationen in Syrien und Libanon hatten das Ziel, „mit der Versprechung nach ein unabhängiges Armenien, den Osten Anatoliens an die Sowjetunion anzuschliessen.“

· Ein sowjetischer Diplomat traf im Januar 1946 in Beirut mit der Vertretern der Armenier aus Libanon und Hatay separat zusammen und übermittelte die sowjetischen Direktiven.

· Das Komitee der Armenier in Libanon entsandte am 16. Mai 1946 an den Weltsicherheitsrat ein Telegramm und forderte darin, „als Gegenleistung der, nach der Tötung von 1,5 Millionen Armenier von den Türken besetzten Territorien und der beschlagnahmten Güter, diese Territorien an das sowjetische Armenien anzuschliessen. „

· Die Sowjets versuchten die Armenier im Ausland zu betrügen und zugleich die Armenier im Lande zu beeinflussen. So wurde am 20. Februar 1946 an der politechnischen Schule in Moskau eine Konferenz der armenischen Delegationsmitglieder, sowie des Mitglieds der Akademie für armenische Wissenschaften, Civenof, organisiert. In seinem Beitrag behauptete Civanof, Van, Bitlis, Elazig, Erzurum, Sivas und Trabzon würden sich innerhalb der armenischen Grenzen befinden. Er erzählte von einem Massaker an den Armeniern und beschuldigte die westlichen Staaten damit, den Vorfällen tatenlos zugesehen zu haben. Civenof lobte das Interesse der Russen für Armenier und behauptete, die im Rahmen des Friedensvertrags von Sèvres an Armenien gegebenen ostanatolischen Provinzen, seien später von Türken angegriffen worden und mit dem von Anhängern der Organisation Taschnaksutyun unterzeichneten Abkommen von Gümrü seien diese Provinzen unter die Kontrolle der Türken geraten.

· Der nationale armenische Rat gab am 17. Juni 1946 für 800 Gäste des amerikanischen Vereins „Verein zur Vertedigung der armenischen Rechte“ ein Bankett. Dabei wurde beschlossen, dass die weltweiten 1,5 Millionen Armenier zur Einverleibung der angeblich gewalttätig von den Türken eroberten ostanatolischen Provinzen an das sowjetische Armenien, sich an die Vereinten Nationen wenden.

· Der englisch-sowjetische Verein veranstaltete am 29. Juli 1946 eine Pressekonferenz in Eriwan. Der Delegierte Bochon, sagte vor sowjetischen Journalisten: „Jeder Engländer, der die armenische Geschichte kennt, kennt auch die Leiden der Armenier und empfindet Symphatie für sie. Wenn wir in unser Land zurückkehren, werden wir versuchen, diese Annäherung zu der öffentlichen englischen Meinung zu verwandeln. „

· Der Rat der Armenier in den USA veröffentlichte im September 1946 eine Broschüre unter dem Titel „Was wollen die Armenier? “ Darin wurde behauptet, dass sich die armenische Bevölkerung vermehrt, dagegen die von Türken eroberten Gebiete leer seien. Ferner hieß es: „Die Armenier wollen nur eine gerechte Behandlung um ihre Territorien zurückzukriegen.“

· Das Komitee zur Verteidigung der türkisch-armenischen Frage, entsandte am 15. August 1946 an die Delegierten der 21 in der UNO vertretenen Länder ein Schreiben und versuchte die armenischen Behauptungen auf die Tagesordnung der UN zu bringen.

· Am selben Abend veranstaltete der Verein der ehemaligen Frontkämpfer einen Marsch und legte einen Kranz am Gefallenen- Denkmal nieder. Gleich am nächsten Tag wurde in der Notia Dome Kirche ein weiterer Gottesdienst abgehalten.

· Eine Gruppe von armenischen Jugendlichen in England veranstaltete am 24. April 1969, am angeblichen „Gedenktag an die armenischen Toten“, eine Protestdemonstration vor der türkischen Botschaft.

· Die Türkenfeindlichkeit wurde auch an amerikanischen Universitäten verbreitet. Der reiche Armenier Agop Kevorkyan, spendete den New Yorker Universität 30 Millionen türkische Lira, ließ das „Orient Institut“ an der Universität schließen, aber dafür das „Institut für armenische Sprache und Geschichte“ eröffnen.

· Die Armenier in Lateinamerika veranstalteten am 24. April 1965 anläßlich des 50. Jahrestages des Umsiedlungsgesetzes in der brasilianischen Stadt Sau Paulo eine Demonstration. Am selben Tag wurde das von Armeniern in Brasilien geschriebenes Theaterstück „Abenteuer der Armenier 1915″ auf die Bühne gelegt.

· Am 2. April 1967, wo der türkische Staatspräsident Cevdet Sunay die USA besuchte, erschien in der Zeitung The New-Times eine Anzeige über die armenischen Behauptungen. In der Anzeige des nationalen armenischen Komitees in den USA wurde die Forderung nach Aufnahme der Armenier Frage auf die Tagesordnung der UN gebracht.

· Beim Besuch von Staatspräsident Sunay in Paris propagadierten dies mal die in Frankreich lebenden Armenier über die Presse. In einem Artikel von Hrant Samuel hieß es: „Die Pariser Armenier haben General Sunay bewirtet und ihr Respekt zu seinem Land zur Sprache gebracht, sie haben den türkischen Staatspräsidenten gelobt. Wir möchten aber erwähnen, dass dies nicht bedeutet, dass die Armenier keine Forderungen an die Türkei stellen. Wir werden für unsere gerechte Sache weiter in Ruhe und auf politischen Wegen nach einer Lösung suchen.“

· Der Patriarch Horen I. traf auf seiner Europareise auf Zypern mit Makarios zusammen. Gleich nach diesem Treffen erschienen in der zyprischen Presse aufhetzende Berichte. Zeitgleich veröffentlichte die armenische Ramgavar Partei mit Hauptsitz in Libanon, anlässlich ihres 45. Bestehungsjahres eine amtliche Mitteilung und nannte als Ziel, „die Festlegung der von Türken eroberten armenischen Territorien, sowie die Verwirklichung der armenischen Bemühungen um eine Unabhängigkeit und Freiheit in einer freien und demokratischen Auffassung“.

· Während Mitglieder der armenischen Komitees für den Schutz ihrer Existenz und Interessen in den jeweiligen Ländern, wo sie lebten, Protestmärsche, Demonstrationen und Konferenzen veranstalteten, reagierte der Erzbischof des armenischen Patriarchats in Istanbul, Sinork Kalusyan mit zwei Erklärungen an die Weltöffentlichkeit, die er am 6. Februar 1967, sowie am 4. April 1967 abgab. Darin unterstrich Kalusyan, dass es seit dem Lausanner- Friedensvertrag die „Armenier Frage“ nicht mehr gibt und die Entwicklung mit Bedauern aufgenommen werden.

· Die libanesische Moslems und christliche Araber, gedachten im Jahre 1969 gemeinsam des 54. Jahrestages des angeblichen Völkermordes an Armeniern. Die libanesische Regierung gab armenischen Beamten den 24. April frei, damit sie trauern konnten. Am 24. April 1964 wurden antitürkische und antiisraelische Demonstrationen veranstaltet.

· Anlässlich des 60. Jahrestages des angeblichen Völkermordes an Armeniern wurden in Frankreich, in den USA, Deutschland und Griechenland grosse Demonstrationen veranstaltet. Angesichts der Demonstrationen mussten die Regierungen für den Schutz der Türken Massnahmen treffen. (1)

· Die angebliche Armenier- Frage, die durch die, nach 1965 von Armeniern gegen die Türken gestarteten Besudelungskampagnen, sowohl in der türkischen Öffentlichkeit als auch in der internationalen Öffentlichkeit spürbar wurde, verwandelte sich ab der 70′er Jahre in Terroranschläge auf türkischen Vertretungen im Ausland. Der „individuelle armenische Terror“, der mit dem Massaker des alten Armeniers Gurgen (Karekin) Yanikan am 27. Januar 1973 an dem türkischen Generalkonsul in Los Angeles, Mehmet Baydar, und am Konsul, Bahadir Demir, begann, entwickelte sich ab 1975 zum „organisierten armenischen Terror“. Die Anschläge auf türkische Vertretungen im Ausland intensivierten sich besonders ab 1980. Armenische Terroristen verübten in 38 Städten von insgesamt 21 Ländern, 39 bewaffnete und 70 Bombenanschläge. Zusammen mit einer Besetzung kam es zu 110 terroristischen Anschlägen. Diesen Anschlägen fielen 42 türkische Diplomaten zum Opfer. Ferner wurden vier Ausländer getötet. 15 Türken und 66 Ausländer wurden verletzt. Ab 1984 wurde die Terrororganisation PKK ins Feld geführt und die armenischen Terroristen zogen sich in den Hintergrund zurück.

· Der 1. Kongress der weltweiten armenischen Organisationen traf zwischen dem 3. und 6. September in Paris zusammen. Der Kongress, wobei sich die Terrororganisation stark präsentierte und eine wichtige Rolle spielte, war auf den revolutionären armenischen Kräften in Frankreich einflussreich. Das Ziel des Kongress war „die Einheit der weltweiten Armenier unter einer Flagge, sowie die Erstellung von Bodenansprüchen.“

· Die PKK und Armenier, die die Woche zwischen dem 21. und 28. April 1980 zur roten Woche erklärten, gedachten den 24. April gemeinsam des angeblichen Völkermordes an Armeniern. Am 8. April 1980 veranstalteten die Terrororganisationen PKK und ASALA in der libanesischen Stadt Sidon eine gemeinsame Pressekonferenz und veröffentlichten im Anschluss daran eine gemeinsame Deklaration. Nach scharfen Reaktionen auf dieses Treffen wurde beschlossen, die Beziehungen auf illegaler Basis und geheim fortzusetzen. Nach diesem Kompromiss bekannten sich die Terrororganisationen PKK und ASALA gemeinsam zu den Anschlägen auf das türkische Generalkonsulat in Straßburg am 9. November 1980, sowie auf das Büro der türkischen Fluggesellschaft in Rom am 19. November 1980.

· Der Lausanner- Kongress trat 1983 nach wichtigen Entwicklungen zusammen. Der Terror erreichte grosse Dimensionen, die Weltöffentlichkeit begann die Armenier und die Terroristen zu verurteilen. Besonders Anschläge, die sich zu Massakern verwandelten, beunruhigten sogar die engsten Verbündeten der Armenier. Der Lausanner- Kongress trat zusammen, „um eine einheitliche politische Meinung der Armenier zu gestalten und ein einheitliches Vorgehen zu bestimmen“. Nach diesem Kongress, an dem die ASALA nicht teilnahm und Gewaltbefürworter die Minderheit bildeten, kam es in der Taschnak und ASALA zum Zerfall.

· Der „3. Kongress der weltweiten armenischen Organisationen“, der zwischen dem 7. und 13. Juli 1985 in Sèvres stattfand, hatte die Annahme der „armenischen Verfassung“ zum Ziel. Die Teilnehmer versuchten eine „Union“ zu gründen, welche die Armenier weltweit vertreten sollte. Die ASALA nahm an dem Kongress nicht teil und wurde heftig kritisiert. Die Fähigkeit der Taschnak- Organisation die Armenier zu vertreten, wurde lange diskutiert.

· Am 4. Juni 1993 kamen im Zentrum der Terrororganisation- PKK im Westen Beiruts Mitglieder der armenischen Hintschak- Partei, der Terrororganisation ASALA und der Terrororganisation PKK zu einem Treffen zusammen.

· Bei zwei Treffen am 6. und 9. Januar 1993 in zwei verschiedenen Kirchen in Beirut wurden wichtige Beschlüsse über die Türkei gefasst. Bei den Treffen des armenisch-orthodoxischen Erzbischofs in Libanon und der Zuständigen aus dem armenischen Patriarch mit rund 150 Jugendlichen wurden die folgenden Beschlüsse gefasst:

· Zunächst müssen wir uns gegen die Türkei ruhig verhalten.
· Die armenische Gesellschaft wächst ständig und wird wirtschaftlich immer stärker.
· Dank der entwickelten Propagandatätigkeiten ist der (angebliche) Völkermord an Armeniern weltweit jetzt besser bekannt.
· Der armenische Staat ist gegründet, dessen Grenzen sich tagtäglich erweitern. Er wird die Rache seiner Vorfahren stillen.
· Westliche Länder und vor allem die USA geben den Armeniern im anhaltenden Krieg in Karabakh, Recht. Diese Gelegenheit muss gut ausgenutzt werden… Den in Karabagh kämpfenden armenischen Jugendlichen werden sich neue Jugendliche anschließen.
· Der Bürgerkrieg in der Türkei (davon ist der Kampf gegen die Terrororganisation- PKK gemeint) wird anhalten, die Wirtschaft wird zusammenbrechen und die Bevölkerung wird einen Aufstand einleiten.
· Die Türkei wird geteilt und es wird ein kurdischer Staat gegründet.
· Die Armenier müssen gute Beziehungen zu den Kurden unterhalten und den Kampf der Kurden unterstützen.
· Die heute unter der Kontrolle der Türken stehenden Territorien werden morgen den Armeniern gehören.
· Es ist bekannt, dass ein Großteil der von armenischen Parteien und Institutionen in Libanon und in anderen Ländern gesammelten Gelder, die Waffen aus Griechenland oder mit dessen Hilfe erhaltene Waffen und die Nahrungsmittel, die mit dem Rest des Geldes besorgt wurden, im Januar 1993 auf dem Luftweg nach Armenien geschickt worden sind, welche an die in Karabakh kämpfenden Armenier übermittelt werden sollen.
· Die armenischen Komitees, die die terroristischen Tätigkeiten in der Türkei ab 1984 der PKK überließen, setzten ihre Behauptungen über Völkermord an Armeniern über die armenische Diaspora fort. In vielen US-Bundesstaaten, sowie in manchen europäischen Staaten erreichten sie, dass Gesetze „zur Anerkennung des angeblichen Völkermordes an Armeniern“ verabschiedet wurden. Dieser Prozess hält heute noch an.

QUELLE:
1) Sakarya, Ihsan: Belgelerle Ermeni Sorunu, Verlag Generalstab, Ankara, 1984, 2. Auflage, S. 439-474

DIE ABKOMMEN VON SEVRES UND LAUSANNE

Der Friedensvertrag von Sèvres, der nach der Niederlage des Osmanischen Staates im Ersten Weltkrieg unterzeichnet wurde, hatte den Armeniern neue Hoffnungen gegeben. In diesem Vertrag wurde vorgesehen, dass Armenien als ein freier und unabhängiger Staat anerkannt wurde. Die Landesgrenzen sollte der amerikanische Präsident Wilson, bestimmen. Doch der Friedensvertrag von Lausanne, der den Vertrag von Sèvres für ungültig erklärte, und am 24. Juli 1923 zur Gründung der Türkischen Republik gründete, beinhaltet keinen Artikel über die Armenier.

Ende 1920, nach dem sich die Türken an der südostanatolischen Front Erfolge erzielt hatten, rief der Völkerbund, Vertreter von England, Lord Robert Cecil, die Generalversammlung zusammen, um Maßnahmen zu treffen, damit die Lage der Armenier verbessert, damit sie vor den angeblichen Gefahren mit denen sie konfrontiert werden könnten, geschützt werden sollten. Bei dieser Versammlung wurde die Gründung eines Ausschusses beschlossen, der die Armenier Frage sofort lösen und den Konflikt zwischen Armeniern und Türken beilegen sollte.

Am 27. Februar 1921 trat in London eine Konferenz zusammen. Bei dieser Konferenz wurden auch die armenischen Delegierten Bogos, Nubar und Ahrungen angehört. Diese Delegierten beharrten darauf, dass der Friedensvertrag von Sèvres nicht annulliert wurde und listeten eine Reihe von Gründe dafür auf. Die armenischen Delegierten forderten eine Autonomie für Kilikien. Der französische Delegierte unterstrich, dass die Änderung der Lage in Kilikien sehr schwer ist, sagte aber zu, dass die französische Regierung den Minderheiten in diesem Gebiet Bedeutung beimessen werde. Eine der wichtigsten Ergebnisse der Konferenz war, dass anstelle der Gründung des „unabhängigen Armeniens“, die Gründung einer Heimat für Armenier in Ostanatolien beschlossen wurde.

Bei der Konferenz in London kam ein neuer, unbekannter Begriff, und zwar das Wort Heimat auf die Tagesordnung. Dieser Begriff wurde von den amerikanischen Missionaren erfunden um den Armeniern, die unter der Herrschaft der Türkei lebten, Autonomie zu gewähren. Der Völkerbund beschloss am 21. September 1921, dass dieser „Heimat“ genannter Teil, von der Türkei getrennt und unabhängig werden sollte.

Die armenischen Delegierten widersprachen diesem Beschluss, weil sie ein unabhängiges, vereinigtes und einheitliches Armenien gründen wollten. Im Jahre 1922 versammelten sich die Außenminister von England, Frankreich und Italien in Paris und erörterten die armenische Heimat, deren Gründung bei der Londoner- Konferenz im März 1912 beschlossen worden war. Die betreffende Resolution des Völkerbundes sollte befolgt werden. Doch zuvor waren am 16. März 1921 das Abkommen von Moskau, am 13. Oktober 1921 das Abkommen von Kars zwischen Türken und den kaukasischen Republiken, am 20. Oktober 1921 das Abkommen von Ankara mit den Franzosen unterzeichnet worden. Man verstand, dass Kilikien den Türken überlassen werden sollte.
Lord Curzon sagte im April 1921 vor dem englischen Oberhaus, „die Mehrheit in Kilikien bestehe aus Moslems und Türken. Kilikien könne den Türken abgetreten werden.“ Dagegen wurde jedoch im Namen der Minderheiten in Kilikien protestiert.

Am 26. März 1922 trafen die Außenminister von Italien, Frankreich und England in Paris zusammen. Die Rechte, die durch den Vertrag von Sèvres den Armeniern zuerkannt worden waren, wurden für ungültig erklärt und zum ersten mal kam bei der Londoner- Konferenz ein Projekt über die Gründung einer nationalen armenischen Heimat, anstelle eines unabhängigen Armeniens auf die Tagesordnung. England schlug vor, diese nationale Heimat in Kilikien zu gründen, wobei sich die Franzosen für Ostanatolien aussprachen. Kurzgefasst wurden bei dieser Konferenz die folgenden Beschlüsse gefasst:

„Die Lage der Armenier, die entsetzliche Katastrophen ausgesetzt sind, sowie ihre Hilfen für die alliierten Staaten während des Krieges, müssen beachtet werden. Für den Schutz und die Lösung der Probleme der Armenier muss eine nationale Heimat gegründet werden. Für die Gründung dieser Heimat muss der Völkerbund um Hilfe gebeten werden.“

Die Außenminister der alliierten Staaten, die in Paris zusammentrafen, verzichteten somit auf ihre Forderungen im Friedensvertrag von Sèvres, sowie bei der Londoner- Konferenz und übertrugen das Thema dem Völkerbund.

Nach dem Sieg der türkischen Armee, der am 26. August 1922 an der Westfront begann und am 30. August 1922 mit der Feldschlacht des Oberkommandierenden zu Ende ging, wurde am 11. Oktober 1922 das Abkommen von Mudanya unterzeichnet. Die Delegierten der Türkischen Republik wurden zu der am 28. Oktober 1922 im schweizerischen Lausanne stattzufindenden Friedenskonferenz eingeladen.

Die Armenier Frage wurde in Lausanne unter der Schlagzeile „Minderheiten Probleme“ in die Hand genommen. In den Artikeln wurden über die Minderheiten die folgenden Behauptungen aufgestellt:

a. Die in der Türkei lebenden Minderheiten werden in Themen wie Religion oder Sprache einige Rechte erhalten, welche vom Völkerbund kontrolliert werden sollen.
b. Christen werden nicht den Wehrdienst ableisten, dagegen aber eine bestimmte Summe von Geld bezahlen.
c. Die Prioritäten in der Religion und Konfession werden gewahrt.
d. Für die Minderheiten muss eine Generalamnestie ausgerufen werden.
e. Minderheiten müssen eine Freizügigkeit genießen.
f. Die umgesiedelten Armenier müssen in ihre vorherigen Orte zurückkehren dürfen.
g. Die Armenier müssen in Ostanatolien oder in Kilikien eine Heimat bekommen.
Am 13. Dezember 1922 sagte Lord Curzon in seiner Rede während der Debatten über den Schutz der Minderheiten folgendes:

„Jetzt werde ich ihnen über die Armenier erzählen. Dieses Volk verdient es, nicht allein wegen der Grausamkeiten, denen sie seit einigen Generationen ausgesetzt sind, sondern auch wegen des Versprechens über Selbstbestimmungsrecht für ihre Zukunft, beachtet zu werden.

In der Sowjet- Sozialistischen- Republik Eriwan, sitzt heute eine armenische Regierung. Wie ich gehört habe, gibt es dort 1.250.000 Armenier. Wegen der aus allen Teilen strömenden Einwanderer, gibt es dort keinen Platz mehr für andere. Auf der anderen Seite haben die Armenier in Kars, Ardahan, Van, Bitlis und Erzurum Schäden erleiden müssen.

Als die Franzosen sich aus Kilikien zurückzogen, folgte das armenische Volk aus Angst der französischen Armee. Heute befinden sich diese Menschen in Iskenderun, Aleppo, Beirut, sowie entlang der Grenze Syriens zu der Türkei. Ich glaube von den rund drei Millionen Armeniern in Anatolien sind heute nur noch 130.000 zurückgeblieben. Die Mehrheit von ihnen ist nach Kaukasien, Russland, in den Iran und in andere Nachbarstaaten gegangen. (…) Ich glaube, wir müssen zusätzliche Artikel in den Vertrag aufnehmen, um die Armenier, deren Zahl künftig, sowohl in Anatolien als auch im europäischen Teil der zukünftigen Türkei wachsen wird, zu schützen und ihre Sicherheit zu gewährleisten.

Nun möchte ich ihnen über die Forderungen der Armenier und der Armenier- Freunde zur Gründung einer armenischen Heimat erzählen. Es ist natürlich, dass die Armenier auf eigenem Boden leben wollen. Die Territorien der armenischen Republik reichen jedoch nicht aus. Aus diesem Grund wird für die Armenier in der Türkei, im Nordosten oder im Südosten Kilikiens ein Boden verlangt. Die jüngste Lage hat die Erfüllung dieser Forderungen schwieriger gemacht. Doch würden uns die Einstellungen der türkischen Delegierten zu diesem Thema sehr interessieren.“

Lord Curzon forderte die Gründung eines Unterausschusses zur detaillierten Untersuchung dieser Frage und zur Unterbreitung von konkreten Vorschlägen. Auch M. Barer und Marki Garoni brachten ihre betreffenden Meinungen zur Sprache.

Der Vorsitzender der türkischen Delegation, Ismet Inönü, gab mehrere Informationen, wobei er sich auf Dokumente stützte und folgendes sagte:

„Das türkische Volk und die türkische Regierung haben erst am Ende ihrer Geduld Maßnahmen zur Unterdrückung der Aufstände ergriffen und eingegriffen. Die Verantwortung für jegliche schlechte Dinge, denen die Armenier in der Türkei ausgesetzt waren, trugen die Armenier selbst bei. Die Vorfälle von Adana im Jahre 1909, sowie die Aufstände in mehreren anatolischen Provinzen während des Krieges sind eine grausame Fortsetzung dieser Tragödie. Wie auch aus den eben erwähnten Vorfällen zu entnehmen ist, haben die Türken niemals die Rechte der Nichtmosleme im Osmanischen Reich geleugnet, solange sie den guten Willen der Führer des Staates, wo sie seit Jahrhunderten in Frieden und Wohlfahrt gelebt haben, missbraucht haben. Die jüdische Gemeinde, die bislang nicht eine einzige Beschwerde über ein unmenschliches Vorgehen der türkischen Regierung und des Volkes gefunden hat, ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Ursache der traurigen Vorfälle im Zusammenhang mit den Griechen und den Armeniern, die Griechen und Armenier selbst waren. Die Geschichte rät uns, zwei wichtige Faktoren im Minderheiten- Problem nicht außer Acht zu lassen.

Erstens; der Willen einiger Staaten, unter dem Vorwand des Schutzes der Minderheiten, sich in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen, für Unruhen und Chaos die Minderheiten aufzuhetzen. Zweitens; die innenpolitischen Entwicklungen, zu denen es kommt, nachdem die Minderheiten ermutigt werden und versuchen einen unabhängigen Staat zu gründen.

Nun zu den Armeniern: Die durch zusätzliche Abkommen verstärkten Beziehungen zwischen der Türkei und der armenischen Republik, schließen die Möglichkeit einer Umzingelung aus. Auf der anderen Seite müssen die Armenier, die sich für einen Verbleib in der Türkei entschieden haben, einsehen, dass sie als gute Bürger leben müssen. Die Delegierten der Großen Türkischen Nationalversammlung vertreten die folgende Meinung:

a. Die Verbesserung der Lage, der in der Türkei lebenden Minderheiten hängt vor allem von ihrer Einstellung zu jeglichen ausländischen Aufhetzung ab.
b. Um dies zu erreichen ist ein Austausch zwischen dem türkischen und griechischen Volk unvermeidbar.
c. Die beste Garantie für die Sicherheit und den Fortschritt der Minderheiten, die vom Austausch ausgeschlossen sind, sowie für alle gesetzwidrig und gegen die türkische Staatsbürgerschaft gehandelten Personen und für alle Gemeinden in der Türkei wird die Garantie die Türkei sein.

Die armenischen Delegierten waren enttäuscht, da im Lausanner Friedensvertrag die Probleme der Armenier nicht erwähnt wurden. Da die Bemühungen der Ententestaaten um die Armenier in Lausanne zu keinem Ergebnis führten, verteilten die armenischen Delegierten den Teilnehmern der Konferenz in Lausanne eine amtliche Mitteilung. Darin hieß es zusammengefasst folgendes:

„Die armenischen Delegierten verstehen aus der Erklärungen der Ausschüsse der Lausanner- Konferenz, sowie aus den Prognosen der Presse über den Friedensvertrag, dass die Ententestaaten die Armenier im Stich gelassen haben. Wir möchten unterstreichen, dass es die Lage der Armenier verschlechtert hat, dass die Armenier- Frage nicht gelöst werden konnte.

In den Friedensabkommen von Versailles, Sèvres, bei der Londoner- Konferenz im Jahre 1921, bei den Treffen in Paris im Jahre 1922, waren Beschlüsse zur Rettung einiger Minderheiten im Osmanischen Reich, sowie für die Schaffung einer Heimat für die Armenier gefasst worden. Es konnte jedoch nichts vereinbart werden, was zur Einhaltung der Versprechen in Lausanne führen könnte, obwohl die Armenier während des Krieges als kriegerische Kraft und nach dem Krieg als Verbündeter anerkannt worden seien. Unter diesen Bedingungen bitten wir als armenische Delegierte und im Namen aller Armenier die Staaten noch einmal, eine gerechte Lösung für die Leiden der Armenier zu finden. Ein solcher Frieden kann im Osten nicht dauerhaft sein. „

Der Delegationsvorsitzender der Armenischen Republik, A. Aharonyan wandte sich am 9. August 1923 zum Völkerbund und forderte die Gemeinschaft auf, die Armenier- Frage auf ihre Tagesordnung zu nehmen, da die Existenz der Armenier im Lausanner Friedensvertrag nicht anerkannt worden sei. Am 9. August 1923 entsandten die Armenier an die Vertretungen der Alliierten Staaten eine Protestnote und betonten darin, im Lausanner Friedensvertrag seien die Armenier außer Acht gelassen worden. Der Vertrag sei unterzeichnet worden, als ob es die Armenier gar nicht gebe. Dieser Vertrag werde nicht zum Frieden und zu der Gerechtigkeit beitragen und die Armenier würden sich dagegen einsetzen. (*)

QUELLE:
Uras, Esat: Tarihte Ermeniler ve Ermeni Meselesi, Istanbul, 1987, S. 422-438

DIE ZEIT WÄHREND DES ERSTEN WELTKRIEGS

Die armenischen Komitees betrachteten die Verwicklung der Osmanen in den Krieg gegen England, Frankreich und Russland, am 1. November 1914 als eine gute Gelegenheit. Armenier, die Regimente aus Freiwilligen gründeten und sich der russischen Seite anschlossen, marschierten gemeinsam mit den russischen Besatzungskräften ins Ostanatolien ein. In verschiedenen Teilen Anatoliens wurden Aufstände angestiftet, den osmanischen Einheiten war in den Rücken gefallen, und das zivile türkische Volk massakriert worden. Das Massaker richtete sich nicht allein auf die Türken, es wurden auch die um Trabzon lebenden Griechen, sowie Juden und Armenier um Hakkari massakriert.

Kurz, bevor der Osmanische Staat in den Krieg verwickelt wurde, trat das armenische Komitee Taschnaksutyun im Juni 1914 in Erzurum zusammen und fasste die folgenden Beschlüsse:

„Mit Acht auf die widersprüchliche Politik der Regierung unter der Partei für Einheit und Fortschritt, gegenüber den Armeniern in den Sozialbereichen, Wirtschaft und Verwaltung, in Betracht auf ihre unverlässliche Haltung bei der Durchführung von Druck und Reformen, beschließt der Taschnaksutyun Kongress weiterhin gegen die Partei für Einheit und Fortschritt in der Opposition zu bleiben, das politische Programm zu kritisieren und einen harten Kampf gegen die Partei und gegen alle Mitglieder einzuleiten. „

Kurz nach dem die Osmanen Mobilmachung ausgerufen hatten, veröffentlichten die in Marseille lebenden türkischen Armenier am 5. August 1914 eine Erklärung, die in verschiedenen Zeitungen erschien. Hier einige Zitate daraus:

„Die russischen Armenier werden an der Seite der Moskauer Armeen, ihre Aufgaben erfüllen, um sich für die Verunglimpfung der Leichen unserer Gebrüder zu rächen. Und nun zu uns, den unter der türkischen Tyrannei lebenden Armeniern. Die Waffe keines Armeniers darf sich gegen unsere zweite Heimat Frankreich und gegen die Verbündeten und Freunde dieses Staates richten.“
(…)

„Die Türkei ruft euch unter die Waffe, ohne zu sagen, gegen wen diese Waffen gerichtet werden sollen. Geht und schließt euch freiwillig zu den Armeen Frankreichs oder dessen Verbündeten an, um die Armeen von Wilhelm ll. zu niederschlagen, dessen Eisenbahngleisen über die Leichen von 300.000 unserer Gebrüder und Geschwister führt… „

Fast in allen Quellen ist die Kollaboration der Armenier mit den Russen erwähnt.

Philips Price sagte zu diesem Thema folgendes:


„… Als der Krieg ausbrach, nahmen die Armenier in diesem Gebiet (Ostanatolien) heimlich Kontakt zu russischen Zuständigen in Kaukasien auf. Mit Hilfe einer illegalen Struktur wurden aus türkischen Provinzen Freiwillige für die russische Armee geschickt… „

Rafael de Nogales schreibt folgendes:

„Als die Feindseligkeit auch praktisch begann, wechselte der Abgeordnete aus Erzurum, Garo Pasdermichan (Pastirmaciyan) gemeinsam mit fast allen armenischen Offizieren und Soldaten des dritten Armeekorpes auf die russische Seite um. Kurze Zeit später kehrte er mit den Soldaten zurück, begann Dörfer niederzubrennen und alle unschuldigen Moslems grausam zu ermorden. Gegenüber diesen blutigen Greueltaten lösten osmanische Funktionäre armenische Soldaten und Gendarmen, die wohl noch nicht von der Armee fliehen konnten, von der Waffe ab und verlegten sie in Bataillons, die im Straßenbau und Gütertransport arbeiteten. „

Clair Price schreibt folgendes:

„Gemäß der Verfassung von 1908 hatte die Regierung unter Enver das Recht, genau wie die Türken auch die Armenier unter die Waffe zu rufen. Doch begann sofort ein bewaffneter Widerstand, insbesondere in Zeytun. Entlang der östlichen Grenzen begannen die Armenier auf die russische Seite umzuwechseln. Die Regierung unter Enver zweifelte an der Treue des Rests der armenischen Offiziere und Soldaten und verlegte sie in Arbeitsbataillons. „

Die Osmanische Regierung rief am 3. August Mobilmachung aus. Die in Zeytun lebenden Armenier lehnten die osmanische Verwaltung ab und gründeten ein Zeytun- Regiment aus Freiwilligen, dass das Gebiet selbst verteidigen sollte. Da aber diese Forderung abgelehnt wurde, brach am 30. August der Aufstand aus. Rund 60 Aufständische wurden samt ihrer Waffen gefasst und eine Zeit lang, herrschte Ruhe. Doch im Dezember begannen erneut in Zeytun Angriffe gegen Verwaltungsbeamten und Gendarmen.

So sah es im Mai 1915 im Inland aus, wobei die Russen in Ostanatolien vorrückten, englische und französische Flotten an den Dardanellen drängten und im Süden die sogenannte Kanal Offensive anhielt. In Zeytun, Van und Mus war es zu Aufständen gekommen, in Folge des Aufstandes in Van war die Stadt unter russische Besatzung geraten. In Zeytun und Mus hielt der Aufstand noch an. Überall im Land gab es Fahnenflüchtige, Banden verübten Anschläge. Da fast alle türkischen Männer im Krieg waren, hatten die Armenier großen Spielraum. Der Staat musste auf einer Seite kriegen führen und auf der anderen Seite sich mit den Aufständen beschäftigen. In einer solchen Lage war der Osmanische Staat gezwungen, die Umsiedlung zu beschließen. (1)

Es gibt, einen weiteren, während des Krieges gefassten Beschluss über die Armenier, wobei es um das Patriarchat geht. Mit dem Regierungsbeschluss, der am 10. August 1916 im amtlichen Blatt Takvim-i Vakayi erschien, wurde die Verbindung der armenischen Kirchen in der Türkei mit Ecmiyazin abgebrochen. Die Bistümer in Sis und Akdamar wurden vereinigt und der Hauptsitz wurde nach Jerusalem verlegt. Das Istanbuler- Patriarchat wurde diesem Zentrum angeschlossen. Der Patriarch in Istanbul durfte nur Kontakt zum Ministerium für Konfessionen aufnehmen. Der Beschluss regelte ferner die Wahl des Patriarchen und der Räte neu. (2)

QUELLEN:
1) Gürün, Kamuran: Ermeni Dosyasi, TTK Verlag, Ankara, 1983, S. 193-209
2) Gürün: ogW., S. 229

DIE OSMANISCHE PERIODE

In den ersten Jahren der Gründung des Osmanischen Reiches lebten die Armenier mehrheitlich in Cukurova, Ostanatolien und in Kaukasien in kleinen Königreichen und Fürstentümern. Sie standen unter der Verwaltung des iranischen, byzantinischen, georgischen und seldschukischen Staates oder unter der Herrschaft kleinerer Staaten und Fürstentümer.

Die ersten Beziehungen der Armenier mit den Osmanen begannen im westlichen Gebiet Anatoliens, wo sie die Minderheit ausmachten. Nachdem Osman Gazi Bursa als Hauptstadt ernannte, wurde die Mehrheit der Armenier und der Amtssitz des obersten Geistlichen der Armenier von Kütahya nach Bursa verlegt.

Nachdem Fatih Sultan Mehmet 1453 Istanbul eroberte, ließ er den geistlichen Führer der Armenier Hovakim von Bursa nach Istanbul rufen und ermöglichte mit seinem im Jahre 1461 herausgegebenen Erlass die Gründung des armenischen Patriarchats. Als Yavuz Sultan Selim zwischen 1514 und 1516 den Süden Kaukasiens, sowie Ostanatolien eroberte, wurden auch die Armenier in diesem Gebiet, in die armenische Gemeinde aufgenommen und zum Patriarchat in Istanbul angeschlossen.

Da die Armenier sahen, dass ihnen vom Osmanischen Reich ein Interesse zukam, wie kein anderer fremder Staat oder Herrscher es ihnen in ihrer Geschichte bislang zukommen ließ, verbündeten sie sich aufrichtig mit dem Osmanischen Staat. Aus diesem Grund wurde die armenische Gemeinde, die sich durch Einwanderung mehrerer Armenier nach Istanbul in kurzer Zeit bildete, zu einer der wohlhabendsten Gemeinden auf der Welt.

Während der 350-jährigen Periode zwischen der Herrschaftszeit von Fatih Sultan Mehmet bis zu der Herrschaftszeit von Mahmut II. griffen die Osmanen keineswegs in die gesellschaftlichen und religiösen Angelegenheiten der Christen und der Armenier ein. Mit der Hilfe der Amira genannten armenischen Bankiers, Händler und Staatsbeamten wurden mehrere Schulen, Druckereien, Bibliotheken gegründet und mehrere jugendliche Armenier für ein Studium nach Europa geschickt. In dieser Periode konnten die unter russischer Herrschaft lebenden Armenier von diesen Rechten nur träumen.

Der armenische Patriarch Nerses schrieb 1876 in seinem Brief an den Ausschuss des Rates für Staatsbürgerschaft: „Die armenische Nation hat die Wahrung ihrer Existenz als eine Nation, ihrer Kirche, Religion, Geschichte und kulturellen Werte dem Schutz, der Hilfen und dem Wohlwollen der türkischen Regierung gegenüber das armenische Volk zu verdanken. Das Schicksal hat die Armenier an die Türken gebunden. Deswegen können die Armenier in Zeiten des Krieges und schwerer Prüfungen des Staates sich nicht gleichgültig verhalten. Im Gegenteil sind sie gezwungen, dem Staat zu helfen. Jeder Armenier, der sein Vaterland liebt, muss dem Staat helfen und den besten Dienst und die beste Hilfe der Armenier zeigen.“ Somit hob der armenische Patriarch hervor, dass die Armenier durch ihre Rechte, über die sie verfügten, im Osmanischen Staat ihre Identität bewahren konnten.

Der Osmanische Staat hatte durch den sogenannten Gülhane- Erlass des Sultans seine versprochenen Reformen bekanntgegeben, jedoch waren die Minderheiten mit den neu zuerkannten Rechten nicht zufrieden. Mit den Reformen wurde den nicht moslemischen Minderheiten die Wehrpflicht auferlegt. Sie konnten aber künftig als Beamte des staatlichen Dienstes arbeiten, sowie zivile und militärische Schulen besuchen. Auf dieser Grundlage ließen die Armenier das aus 99 Artikeln bestehende Status des armenischen Volkes der Osmanischen Regierung billigen, das 1863 in Kraft trat.

Wie alle anderen nichtmoslemischen Minderheiten, wurden auch die Armenier als Bürger der ersten Klasse behandelt. Sie waren nicht wehrpflichtig, hatten besonders im Handel Schlüsselpositionen besetzt, so dass sie großes Ansehen unter der Bevölkerung genossen und somit reich wurden.

Die Treue der Armenier an den Osmanischen Staat, die Annahme der türkischen Traditionen, sowie die türkische Sprache, die sie gut beherrschten, machten es den Armeniern möglich, dass sie offizielle Ämter bekleideten. So konnte zum Beispiel im 16. Jahrhundert der armenischstämmige Mehmet Pascha bis zum Amt des Wesiren aufsteigen. Im 18. Jahrhundert waren die Juweliere des osmanischen Palastes Angehörige der Familie Düzyan aus Divrik, die später zum Minister, zuständig für die Münzstätte ernannt wurden. Angehörige der Familie Sasyan waren Palastärzte. Im 19. Jahrhundert stammen die Minister, zuständig für die Münzstätte aus der Familie Bezciyan. Im 19. Jahrhundert, sowie während und nach der Herrschaftszeit von Abdülhamit fungierten Armenier als Beamten im Außenministerium, sowie als Minister. Es gab ferner mehrere armenische Berater der osmanischen Staatsmänner.

Die Armenier waren, nicht wie behauptet, eine dem Völkermord ausgesetzte, sondern eine Gruppe, die jegliche Ämter des Staates bekleidet und jegliche Berufe ausübten.

Die auffallendste Erklärung über die osmanisch-armenischen Beziehungen kam vom Führer der armenischen Gemeinde in der Türkei. Der armenische Patriarch Mesrob II. sagte in seiner Rede während einer Rezeption im Istanbuler Hilton- Hotel am 22. Mai 1999 folgendes:

„Wir stehen kurz vor dem 3. Jahrtausend. Wir werden den Beginn einer dritten Periode in der Menschheitsgeschichte feiern. Ich finde, dass dies eine Gelegenheit für uns alle ist. Die Gelegenheit dafür, unsere Zukunft im Rahmen der Einheit der Kontinente, Kulturen und Völker zu gestalten…

Alle sehnen sich nach einer Welt, wo Menschenleben, individuelle Rechte und Freiheiten respektiert werden, die gerecht und fern von jeglicher Gewalt ist.

Der bevorstehende Wendepunkt ist nicht nur eine einmalige Gelegenheit, sondern auch eine schwere Prüfung für uns. Das 2. Jahrtausend, das wir bald hinter uns haben werden, war geprägt von tragischen Vorfällen.

Trotzdem gibt es auch unzählige Vorfälle aus dieser Periode, an die wir uns noch in den kommenden Jahrtausenden mit Respekt erinnern und sie feiern werden.

Genau wie die Feier von heute…
Die Gründung des armenischen Patriarchats in Istanbul ist ein historisch beispielloser Vorfall. Die Umwandlung des armenischen Bistums in Westanatolien, im Jahre 1461, also acht Jahre nach der Eroberung Istanbuls, durch einen Ferman von Fatih Sultan Mehmet, in das Istanbuler- Patriarchat, ist ein offenes Beispiel der Vision Fatihs, sowie der osmanischen Sultane, sowie ihrer Toleranz zu anderen Religionen.

Im Laufe der Geschichte hat es weder vor, noch nach Fatih einen Herrscher gegeben, der einem Glauben angehörte und für die Gläubigen einer anderen Religion ein Amt für den höchsten Geistlichen einrichtete. Falls wir zu Beginn des Millenniums die weltweiten Spannungen und besonders die Kriegsatmosphäre in unserer Umgebung in Acht nehmen sollten, können wir den Wert dieses Vorfalls vor 538 Jahren, die Bedeutung der Toleranz zwischen Religionen und Kulturen besser begreifen.

Mit Dank erinnern wir an Fatih Sultan Mehmet, der das Leben der armenischen Bevölkerung innerhalb der osmanischen Grenzen nach den Traditionen und Bräuchen dieser Bevölkerung gestaltete, an alle Staatsmänner, die die gleiche Linie von Fatih verfolgt haben, sowie an unsere 83 Patriarchen, die beginnend vom Hovagim aus Bursa, im Jahre 1461, an der Spitze des armenischen Patriarchats in Istanbul gestanden haben.

Wir, die in der Türkei lebenden Armenier, glauben als größte christliche Gemeinde in unserem Land, an die glänzende Zukunft der Türkischen Republik, deren 75. Bestehungsjahr wir feiern und blicken mit Hoffnung in die Zukunft.“

EINIGE DER ARMENISCHEN MITARBEITER IM OSMANISCHEN STAAT

 

Name – Surname
Agop Gırcikyan Berater des ersten Botschafters des Osmanischen Reiches in Paris, Reşid Paşa. Geschäftsträger der osmanischen Botschaft in Paris (1834-)
Krikor Agaton Generaldirektor des osmanischen Postamtes (1864)
Beamter im Außenministerium (1848-1850)
Sahak Abro Generalsekretär im Außenministerium (1850-)
Sebuh Laz Sekretär in der türkischen Botschaft in Minas-Paris (1863)
Krikor Odyan Direktor der Rechtsabteilung im Außenministerium (1870)
Serkis Efendi Generalsekretär im Außenministerium (1870-1871)
Ovakim K. Reisyan Richter des Gerichts in der Ortschaft Vize bei Istanbul / Richter des Vorführungsgerichtes auf der Insel Chios ( 1885 )/ Richter des Vorführungsgerichtes auf der Insel Rhodos ( 1887 )
Artin Dadyan Pascha Staatssekretär im Aussenministerium
Diran Aleksan Beg Türkischer Botschaftler in Belgien ( 1862) Inspektor der Post
Yetvart Zohrab Efendi Botschafter in London
Hırant Düz Beg Botschafter in Mesine ( Italien 1900-1907 )
Hovsep Misakyan Efendi Botschafter in Den Haag ( 1900-1907 )
Sarkis Balyan Türkischer Konsul in Bergkarabakh und Italien
Azaryan Manuk Efendi Staatssekretär im Außenministerium
Kapriyel Noradunkyan Außenminister im Kabinett von Gazi Ahmet Muhtar Pascha ( 1912 )
Agop Kazazyan Pasha Finanzminister/ Minister für die Privatkasse des Palastes
Mikael Portukal Pasha Staatssekretär im Finanzministerium ( 1886 )/Generaldirektor der Ziraat Bank/ Minister für die Privatkasse des Palastes
Sakız Ohannes Pasha Generalsekretär im Außenministerium ( 1871), Minister für die Privatkasse des Palastes ( 1897 )
Garabet Artin Davut Pasha Botschafter in Wien ( 1856- 1857 ) Gouverneur der Provinz Libanon ( 1861) Postminister und Minister für öffentliche Arbeiten
Krikor Sinapyan Minister für öffentliche Arbeiten
Krikor Ağaton Generaldirektor der Post
Jorj Serpos Efendi Generalsekretär der türkischen Telegrammanstalt ( 1868)
Osgan Mardikyan Lehrer der Hochschule für
Tomas Terziyan Verwaltungsbeamte
Nişan Guğasyan .
Tavit Çıracıyan .
Krikor Zohrab Abgeordnete aus Istanbul
Bedros Hallacıyan .

QUELLEN:

1) Türk Devleti Hizmetindeki Ermeniler (1453-1953), Priester Komidos Carkciyan, Istanbul, 1953
2) British Documents on Ottoman Armenians (Band 4), 1983, 1989, 1990, Anstalt für Türkische Geschichte.
3) Nejat Göyünc: Osmanli Idaresinde Ermeniler, 1983.
4) Symposium zum Titel „Die Beziehungen der Türken zu der armenischen Gesellschaft in der Geschichte“, an der Universität Atatürk, 1985.
5) Beiträge und Reden bei der Tagung unter dem Motto „Armenier in der türkischen Geschichte“, Universität 9 Eylül, 1985.
6) Bilal Simsir: Osmanli Ermenileri. 1986.
7) Türkkaya Ataöv: Osmanli Arsivleri ve Ermeni Sorunu, 1989.

DIE SELDSCHUKISCHE PERIODE

Anatolien blieb ab Ende des 7. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Emewiden und danach bis zum Ende des 10. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Abbasiden. Am Ende des 10. Jahrhunderts herrschten wieder die Byzantiner über ganz Anatolien.

Der byzantinische Herrscher Vasil II. war in den letzten Jahren seines Lebens in Kaukasien aktiv. Nach dem Tod von Gagik I. (990-1020) aus der armenischen Dynastie Bagratuni brach in diesem Gebiet ein Chaos aus. Diese Lage gab dem byzantinischen Herrscher die Gelegenheit eines erfolgreichen Angriffs. Er schloss ein Teil Georgiens und die Region Van an das byzantinische Reich an. Die armenische Dynastie Ani gehörte zum Herrschaftsgebiet von Ionnas Smbat, dem Sohn und Nachfolger von Gagik. Nach dem Tod von Ionnas wurde sie dem byzantinischen Reich angeschlossen.


Das byzantinische Reich hat nicht nur die Siedlungsgebiete der Armenier erobert, sondern „die Kommandanten des armenischen Volkes aus ihren Häusern und Ländern vertrieben“, wie es der Historiker Mateos aus Urfa sagte. Tatsächlich war die Lage für den Einmarsch der Seldschuken in Anatolien sehr günstig. Die Verteidigung der Christen auf diesem Gebiet war sehr schwach und die byzantinische Armee hatte wegen innenpolitischer Diskussionen und militärischer Aufstände an Kraft verloren.

Zwischen 1047 und 1048 hatte der seldschukische Thronfolger Hasan mit Feldzügen in der Region Van-See begonnen. Ibrahim Yinal, der zum Generalgouverneur von Aserbaidschan bestellt wurde, setzte sich auf Befehl von Tugrul Bey zusammen mit Kutalmis in Bewegung und besiegte 1048 in der Pasin- Ebene die byzantinische Armee unter den Kommandanten Liparit, Aaron und Katalon. Nach dem Tod des byzantinischen Herrschers Konstantin Dukas (Mai 1067) ergriff Romanos Diogenes VI. die Macht, indem er die verwitwete Frau des byzantinischen Herrschers heiratete. Dann begann gegen die Seldschuken zu kämpfen. Jedoch konnte er nur mit großer Mühe eine Armee aus ausländischen Söldnern (Petscheneken, Oghusen, Normannen, Franken, Armenier, Slawen, Bulgaren, Deutsche, Kaspiern und Georgiern) zusammenstellen, weil seine eigenen Truppen geschwächt waren.

Die Armee, die der byzantinische Herrscher mobil machte, war nach islamischen und christlichen Quellen zwischen 200.000 und 600.000 Mann stark. Der byzantinische Herrscher schwörte vor Antritt des Feldzuges nach Malazgirt darauf, nach dem Krieg in Malazgirt, die Armenier auszurotten. Der byzantinische Herrscher griff am 26. August 1071 die Einheiten von Sultan Alparslan an, erlitt jedoch eine schwere Niederlage. Alparslan nahm den byzantinischen Herrscher Gefangen, und schickte Diogenes, mit dem er Frieden geschlossen hatte, zeremoniell nach Istanbul zurück, wo er den Thron besteigen sollte.

Der Historiker Mateos aus Urfa, der sich Augenzeugen angehört und die Vorfälle auf Papier übertragen hatte, schrieb über das Vorgehen der Byzantiner gegen die Armenier in der Byzanz folgendes:

„… Sie (die Römer) unterwarfen Katolikos (hacik) wegen seiner Konfession unglaublichen Foltern. Wie wir gehört haben, warf man ihn ins Feuer, der jedoch lebend und heil aus den Flammen wieder herauskam.“

„Nach zwei Jahren (993-994) zog der Herzog von Rom mit einem großen Heer gegen die Armenier, überfiel die Christen, tötete viele und nahm sie Gefangen. Er verbreitete wie eine Giftschlange überall den Tod und nahm damit die Stelle des Heidenvolks ein. „

Wie behandelten die Türken die Armenier, die zusammen mit den Byzantinern gegen die Türken kämpften? Hatten sie sie verachtet, wie es die Byzantiner getan hatten? Hatten sie sie tyrannisiert, oder ihre Kirchen und Klöster niedergebrannt? Mateos aus Urfa beschreibt die Toleranz gegenüber den Nichtmoslems unter der Herrschaft der Seldschuken, insbesondere gegen die Armenier, wie folgend:

„Der armenische Katolikos Barseg besuchte 539 (27. Februar 1090 – 26. Februar 1091) den Welteroberer Sultan Meliksah. Der Katolikos sah, dass in einigen Orten Druck auf die Christen ausgeübt wurde, von der Kirche Gottes und den Geistlichen Steuern verlangt wurden und auf die Bischöfe in den Klöstern Druck ausgeübt wurde, damit sie Steuern zahlten. Er beschloss, vor dem barmherzigen und guten Sultan der Perser und allen Christen vorzutreten und diese Lage ihnen zu übermitteln. Der Sultan empfing Senior Barseg, kam ihm mit großer Huld entgegen und erfüllte seine Wünsche. Der Sultan befreite alle Kirchen und Klöster Geistliche von Steuern, gab dem armenischen Katolikos mehrere seiner Erlasse mit und verabschiedete ihn mit großer Freundlichkeit. „

Wie auch aus diesen Äußerungen zu entnehmen ist, zeigten die seldschukischen Türken den Armeniern und anderen nichtmoslemischen Mitbürgern eine Toleranz, die die bei den Byzantinern nicht gefunden hatten und machten es ihnen möglich, ihre Religion und ihr soziales Leben zu wahren. Diese Einstellung wurde auch in der Zeit der anatolischen Seldschuken fortgesetzt. Ungeachtet der weiten Toleranz ist jedoch auch bekannt, dass die Armenier zeitweilig hinter den Byzantinern und während der Kreuzzüge an der Seite der Kreuzritter gestanden haben.

QUELLE:
Yildirim, Hüsamettin: Ermeni Iddialari ve Gercekler, Ankara, 2000.

TÜRKISCH-ARMENISCHE BEZIEHUNGEN

Es wird darüber noch diskutiert, welcher Rasse die Armenier angehören und in welchem geographischen Gebiet sie damals lebten. Sie lebten unter der Herrschaft von Persern, Mazedonen, Seleukiden, Römern, Parthern, Sassaniden, dem byzantinischen Reich, Arabern und Türken. Es waren die türkischen Seldschuken, die die Armenier von den Grausamkeiten des Byzantinischen Reiches befreit und ihnen das Recht auf ein menschenwürdiges Leben gewährt haben, als die Armenier ab 1071 unter türkische Herrschaft kamen. In der Zeit von Fatih „dem Eroberer“, des Mehmed II. wurden den Armeniern Religions- und Gewissensfreiheit zugesichert und das armenische Patriarchat wurde errichtet, um die religiösen und gesellschaftlichen Aktivitäten der armenischen Gemeinde zu regeln.

Die Geschichte hindurch wurden die Armenier von Römern, Persern und Byzantinern von einem Ort zum anderen in Anatolien vertrieben. Sie wurden in die Kriege verwickelt und öfters als Bürger der dritten Klasse behandelt. Aber nachdem die Türken Anatolien betraten, genossen die Armenier die gerechte, menschliche, tolerante und verbindende Moral und Glauben der Türken. Die Zeit bis Ende des 19. Jahrhunderts, in dem diese Beziehungen sich entwickelten und ihren Höhepunkt erreichten, war “ das goldene Zeitalter der Armenier“ unter den nichtmoslemischen Staatsangehörigen im Osmanischen Reich waren die Armenier diejenigen, die die Möglichkeiten am meisten nutzten, welche das Osmanische Reich jedem seiner fleißigen, würdigen, anständigen, fähigen und kreativen Bürger bot. Vom Wehrdienst waren die Armenier ganz befreit und brauchten zum Teil auch keine Steuern zu zahlen. Dies ermöglichte ihnen, im Handel, in den handwerklichen Berufen, in der Landwirtschaft und in den Verwaltungsdiensten aufzusteigen. Aufgrund ihrer Loyalität und ihrer Integration in die türkische Gesellschaft und ihres friedlichen Lebens mit dem türkischen Volk bezeichnete man das armenische Volk zu Recht als „Getreues Volk“.

Mit folgenden Aussagen bestätigt auch der amtierende armenische Patriarch Mesrob II., wie wichtig die Gründung des Patriarchats war: „Die Gründung des armenischen Patriarchats in Istanbul ist ein einzigartiges Geschehen in der Geschichte. Dass Mehmed II. Fatih „der Eroberer“, acht Jahre nach der Eroberung von Istanbul durch einen Erlass im Jahre 1461 das Episkopat in Westanatolien in Istanbuler Patriarchat verwandelte, ist ein klares Beispiel für die Zukunftsperspektive und für die Toleranz gegen andere Religionen die vom ihm und den anderen osmanischen Herrschern geübt wurde. Dass ein Herrscher ein Amt für geistliches Oberhaupt der Angehörigen einer anderen Religion gründen lässt, gibt es in der Geschichte weder vor noch nach Fatih, dem Eroberer“.

„Die Bedeutung dieses vor 538 Jahren verwirklichten Geschehens, die Bedeutung der interreligiösen und interkulturellen Toleranz können wir erst dann recht begreifen, wenn wir nur die erlebten Unruhen auf der Welt und besonders die Kriegsatmosphäre in unserer Umgebung vor Augen halten, die wir zur Zeit erleben, wo wir gerade ein neues Jahrtausend antreten“.

Unter den Armeniern, die in ihrer Umgebung auf Türkisch sprachen und sogar ihre Gottesdienste in der türkischen Sprache abhielten, gab es sogar Leute, die viele wichtige Positionen im osmanischen Staatsdienst erreichten. Manche waren sogar als Minister für öffentliche Dieste, als Marinen- Außen- und Finanzminister, sowie als Minister für Staatskasse, für Post- und Telegrammwesen und für Münzstätte oder als Staatssekretär in diesen Ministerien tätig. Es gab sogar Autoren unter denen, die über die Probleme des Osmanischen Reiches, Werke in türkischer Sprache und in Fremdsprachen verfasst hatten.

Aber als das Osmanische Reich begann, an Macht zu verlieren, fielen die Armenier auf Versprechungen einiger Staaten herein und fingen dann mit Aufständen und Massakern an, die Zehntausende von Türken und Armeniern das Leben kosteten. Sie versuchten immer wieder das Land zu teilen, auf dem sie seit tausend Jahren in Ruhe und Frieden lebten, weil sie auf Versprechungen einiger Staaten hereinfielen, welche üble Absichten gegen die Türkei hatten.