PROPAGANDA

Wir können offen sagen, dass eines der schwächsten Bereiche der Türken die Propaganda ist. Dies war auch im Osmanischen Reich der Fall und ist auch in der heutigen Türkischen Republik leider noch gültig. Die Beziehung der Türken zur Propaganda bestand nur daraus, dass sie versuchten, Schreiben und unwahre Behauptungen zu beantworten, war also nur eine passive, auf Selbstschutz gerichtete Bemühung. Dieses Verhalten gab den Gegenparteien eine große Bewegungsfreiheit, mit der sie die Türken immer als schuldig zeigten..

Die gegen die Türkei und den Türken gerichtete Propaganda kam zweifellos vor allem im Jahre 1923 aus Amerika. Powell berichtet über die Gründe dafür Gründe, wie folgend:

„Die gegen die Türken tief verwurzelte Feindseligkeit kann auf folgende Gründe zurückgeführt werden. Am Anfang steht die, in der Vergangenheit gegen die christliche Minderheit und vor allem gegen die Armenier geführte Unterdrückungspolitik. Als nächstes kommen die religiösen Vorurteile und die politische Propaganda, wobei es sehr schwierig ist zu sagen, wo das eine endet und das andere anfängt. Drittens ist es das Bedauern und die Enttäuschung, die wir für die Neuentstehung eines als niedergeschlagen und aufgeteilt angesehenen Landes empfinden und schließlich ist es die Ablehnung der Türken, sich zu verteidigen“

Powell befasst sich auf der Seite 32 seines Buches mit diesem letzten Grund und zitiert, die im Sommer 1922 in der Yildiz- Villa von Vahdettin gesagten Worte:

„Ihre Zeitungen und Zeitschriften würden einen, von einem Türken verfassten Artikel nicht veröffentlichen, würden wir einen schicken. Würden sie diesen Artikel veröffentlichen, würde das Volk ihn nicht lesen. Hätten sie ihn gelesen, dann würden sie nicht daran glauben. Würden wir eine qualifizierte Person nach Amerika schicken, die die türkische Anschauung in ihrer Sprache wiedergeben soll, würde er eine unparteiische Zuhörermenge finden können?“

Vielleicht entsprechen die Worte des Padischachs den Tatsachen, schließlich lautet auf der Seite 10 des gleichen Buches die Aussage eines Geistlichen aus New- England, dessen Name nicht genannt wird, folgendermaßen: „Ich möchte nicht die Wahrheit über die Türken hören, ich habe seit langem meine Meinung über sie geändert.“ Doch der Grund, dass dies an einem solchen Punkt angelangt ist, ist das permanente Schweigen der Türken, die falsche Propaganda ihrer Gegner, der Zusatz der religiösen Faktoren und der politischen Meinungen und die Vorurteile in den Köpfen. Im Zusammenhang damit führte die Auffassungsform „wird ja sowieso nicht gedruckt, falls es gedruckt wird, wird es nicht gelesen, wird es gelesen, glaubt ja niemand daran“ dazu, dass sich die Sache in die entgegengesetzte Richtung entwickelte und die Gegenpropaganda zum Bestandteil, einfachere und schnellere Resultate zu erzielen. In fast allen Ländern wird angenommen, dass ein, in der Zeitung veröffentlichter Artikel oder eine Nachricht den Tatsachen entspricht.

Es ist offen zu sehen, wie der Religionsfaktor und die politischen Bewertungen sich gegen die Türkei entwickeln. Und wenn der bewusste Propagandabestandteil hinzukommt, ändert sich natürlich dieser Zustand und der Realitätsanteil in den Nachrichten geht weiter als nur eine einseitige Nachricht zu sein und verringert sich, bzw. wird ganz aufgehoben. Im gleichen Buch weisen diese, die unten aufgeführten Ausdrücke folgendermaßen nach:

„Die Vorfälle bezüglich der Gewalttaten wurden im großen Maße übertrieben. Ein Teil der, in der letzten Zeit gemeldeten Gewalttaten kam überhaupt nicht zustande. Einer der örtlichen (Istanbul) Pressevertreter der amerikanischen Hilfsorganisation gestand seinen Freunden offen, dass er nach Amerika nur Nachrichten gegen die Türkei zuschicken kann und dass nur derartige Nachrichten Geld einbringen.“

Dieser Ausdruck kann vielleicht zu abstrakt auswirken und aus diesem Grund wäre es nützlich, diesbezüglich einige Beispiele anzugeben:

„Kurz, nachdem in Europa die Nachrichten über den Überfall auf die Osmanlý Bank und die Angriffe auf die Armenier veröffentlicht wurden, sind einige Künstler der Staatsanzeiger nach Istanbul geschickt worden, um dort die Gewalttaten aufzuzeichnen. Zwischen ihnen befand sich auch der berühmte verstorbene Kriegskorrespondent Mr. Melton Prior. Er war ein Mensch mit einer energischen und entschlossenen Natur und hielt sich nicht an die Vorfälle, sondern überstieg sie meistens. Er teilte mir mit, dass er auf Grund dieser besonderen Aufgabe erfreut war. Die Menschen im Lande hatten von den unglaublichen Gewalttaten gehört und erwarteten die diesbezüglichen Zeichnungen. Die verstorbenen Armenier wurden begraben, Frauen und Kindern war nichts zugestoßen und da auch keine einzige armenische Kirche angegriffen wurde, waren sie mit dem Problem konfrontiert, wie sie nun diese Aufnahmen machen sollten. Als ein aufrichtiger und die Türken respektierender Mensch lehnte er es ab, Vorfälle zu erfinden, an denen er nicht Zeuge war. Doch die anderen waren nicht so ehrlich. Schließlich habe ich in einer mit reichlichen Bildern veröffentlichten Zeitung ein Bild gesehen, dass den Mord von Frauen und Kindern in einer Kirche darstellte.“

„Für den, seitens der hohen Türkischen Beauftragten mit der Reform in Anatolien beauftragten Müsir Sakir Pascha wird behauptet, dass sein Name, auf Grund der, gegen die Armenier geführten gewalttätigen Strafmaßnahmen an der oberen Reihe steht. Die Gerüchte, dass der Marschall, der sich im Oktober 1895 in Erzurum aufhielt und während des Armenier-Aufstandes wie ein blutgieriger Mensch mit seiner Uhr in der Hand dastand und zu seinen Befehlsbefolgern „Noch eineinhalb Stunden bis wir die Armenier umbringen“ sagte – nach einigen Versionen meinte er, noch zwei Stunden…. – gingen fast um die ganze Welt…. In Anbetracht unseres Reisezwecks haben wir nach der Reihe den englischen Botschafter Mr. Graves, den Gouverneur Mehmet Serif Rauf Pascha, den französischen Konsul M. Roqueferrier und den russischen Generalkonsul M. V. A. Maxiomov besucht. Wir haben alle diese Personen befragt, ob sie, an die über Sakir Pascha verbreiteten Gerüchte glauben. M. Roqueferier fand dies lächerlich, und meinte, dass das erfundene Geschichten sind und fügte noch einige lobende Worte über Sakir Pascha hinzu.“

„Der russische Konsul M. Maximov meinte: Es ist nicht meine Aufgabe, die Richtigkeit derartiger Geschichten zu beurteilen. Ich möchte ihnen nur sagen, dass Sakir Pascha ein tapferer und sehr gutmütiger Mensch ist, ich kenne ihn nun seit langen Jahren, er ist unser Freund. Der englische Konsul Mr. Graves meinte: Ich befand mich derzeit nicht hier, diesbezüglich habe ich auch nicht mit Herrn Sakir Pascha gesprochen, doch der Gouverneur hat mir gesagt, dass das nicht stimmt, das ist für mich ausreichend, denn ich glaube den Worten von Rauf Pascha zweifellos.“

„Ich fragte Mr. Graves: Hätten die armenischen Revolutionäre das armenische Volk nicht zum Aufstand angestiftet, hätte es auch dann ein Massenmord gegeben? Er antwortete: Zweifellos, Nein. Nicht ein einziger Armenier wäre umgebracht.“

Doch diese Angaben wurden nie in der westlichen Presse veröffentlicht. Genauso, wie in den folgenden Zeilen erläutert wird:

„Ende Oktober (1922) haben die verstorbenen amerikanischen Organisationsvertreter (Near East Relief’s) Miss Annie T. Allen und Miss Florence Billings einen Bericht über den Zustand der türkischen Dörfer, die die Griechen bei ihrem Rückzug niedergebrannt haben an die Zentrale der Organisation in Istanbul zugeschickt. M. Lloyd George hat seinen Bristol-Bericht, bezüglich des tragischen Zustandes, den die Griechen in Ýzmir verursacht haben, niemals veröffentlicht.“

Lloyd George hat seinen Bristol-Bericht tatsächlich niemals veröffentlicht.

„Es ist nicht unverständlich, dass sie ihren Bericht nicht veröffentlichen wollten. Desweiteren hatte M. Venizelos seine persönliche Beziehung eingesetzt. Bevor der griechische Vertreter bereitstand, hatte er ohne die Namen der Zeugen zu nennen gegen die Veröffentlichung der festgestellten Vorfälle Widerspruch erhoben. Der Grund für ihr derartiges Verhalten war nicht hinsichtlich der westlichen Kommission, sondern im Bezug auf die örtliche, griechischen Autorität auch einerseits im Recht. Diejenigen, die gegen Griechenland sprechenden Informationen vorlegten, lebten in Gebieten, die unter der Besetzung Griechenlands waren, und konnten nicht den griechischen Gegenmaßnahmen ausgesetzt werden. Die gleichen rechtlichen Bedenken waren auch für den Bryce-Bericht mit dem Titel „Die Deutsche Grausamkeit in Belgien und das Verhalten gegenüber den Armeniern im Osmanischen Reich“, gültig. Die verbündeten Staaten sahen trotz der gleichen Gründe keine Bedenken darin, die genannten Berichte zu veröffentlichen.“

Der Bryce-Bericht, von dem Tonybee berichtet, ist das Blaue- Buch der Engländer, dessen Herausgeber er selber ist.

Doch genau der Gegensatz war, wenn auch nur selten, auch der Fall. Die Engländer mussten am 18. September 1918 Baku verlassen. Als die Zeitungen diesen Vorfall veröffentlichten, berichteten sie auch über die Treulosigkeit der Armenier. Die englischen Propagandadienste gerieten daraufhin in Aufregung und mussten den Einfluss, den diese Nachricht verursachen würde, aufheben.

Um die Bedeutung der Propaganda zu verstehen, ist es vom Nutzen zu untersuchen, was für eine Organisation die Engländer zu diesem Zweck gegründet haben:

„Zum ersten hörte ich über ein Propagandaamt im August 1914 an einem Sonntag, nach dem Mittagessen im Walton- Heath- Golfclub. Dort meinte Mr. T.P. O’ Connor zu Lloyd George, dass die Deutschen auf den Straßen Amerikas Broschüren verteilen und den mit Schiffen ankommenden Passagieren, jeweils eine Broschüre in die Hand drücken, und dass hierzu eine Gegenpropaganda gestartet werden müsse. Mr. Llyoyd George meinte daraufhin: Kümmere dich darum, schau mal was Charlie dafür tun kann, denk darüber nach. Mesterman stimmte daraufhin zu.“

Mr. Mastermann ist ein ehemaliges Kabinettsmitglied und gleichzeitig auch Mitglied des englischen Unterhauses. Es ist bekannt, dass Mr. Mesterman nach diesem Tag ein Propagandabüro gegründet und geleitet hat. Der Existenzgrund des Büros wurde geheimgehalten und Mr. Mastermann trat aus seinem Dienst bei der Nationalen Krankenversicherungskommission aus und das „Wellington- House“ wurde somit auch zur Zentrale seines Büros, und das Büro wurde mit der Benennung „Wellington- House“ eingetragen.

Der Arbeitsbereich des „Wellington- House“ wird folgendermaßen erklärt:

„Den Kampf der Verbündeten, die Bemühungen der Engländer, die Durchführungen der Marine, der Armee und der Handelsflotte, die wirtschaftlichen und militärischen Möglichkeiten, die Ziele und den Grund des Krieges, die Straftaten und Grausamkeiten Deutschlands und dessen Verbündeten, den Kampf Belgiens, die Unmenschlichkeit des U-Boot- Krieges. Alle Vorfälle, die dazu geführt haben, zu verbreiten. Die verwendeten Mittel waren Bücher, Broschüren, Zeitschriften, Diagramme, Landkarten, Poster, Postkarten, Bilder, Fotos und Ausstellungen.“

Es wurde angegeben, dass das Büro nur in England 17 Millionen Auflagen veröffentlicht hat wobei, die alle 15 Tage veröffentlichten, offiziellen Zeitschriften nicht mitgezählt wurden.

In dem 118-seitigen, 3. Bericht über die Aktivitäten des Mastermann- Büros ist eine Liste der gedruckten Bücher und Broschüren beigefügt. Die Zahl der, in der ersten Hälfte des Jahres 1916 gedruckten Bücher und Broschüren liegt, bei etwa 182. Unter den Autoren treffen wir auf Namen wie z.B. Max Aitken, William Archer, Balfour, James Bryce, E.T. Cook, Conan Doyle, Alexander Gary, Archibald Hurd, Rudyard Kipling, A. Lowenstein, C.F.G. Mastermann, A.J. Toynbee, H.G. Wells. Eins der drei Bücher, die Toynbee geschrieben hat, trägt den Titel „Die Unterdrückung der Armenier“

Alle, die seitens des Büros von Mastermann im Blauen Buch veröffentlichten und im Jahre 1975 seitens des armenischen Verlags in Amerika erneut veröffentlichten Referenzen, die Nachrichten der, in Tibilisi veröffentlichten „Hoziron“, die in Marseille veröffentlichten „Armenia“, die in London veröffentlichten „Arara“ und die in New- York veröffentlichten „Gotchnag“, Zeitungen der Armenier, sowie die seitens der Missionare weitergeleiteten Informationen wurden von dem armenischen Graueltatskommitee übertragen. Es kann vermutet werden, dass ein Buch, mit den aus diesen Quellen bezogenen Informationen veröffentlicht wurde. Dabei möchten wir noch auf einen weiteren, wichtigen Punkt hinweisen. Die Armenier in Istanbul und Izmir wurden nicht umgesiedelt. Die in diesem Buch veröffentlichten Landkarten deuten auf eine Umsiedlung, die aber nicht den Tatsachen entspricht.

Nach diesen Erläuterungen, die uns darüber aufklären, wie das Blaue- Buch verfasst wurde, ist es erforderlich anhand der Zitate von zwei Autoren, die diesbezügliche Untersuchungen vorgenommen haben, zu zeigen, wie das Propagandamaterial im allgemeinen zusammengestellt wurde. Der erste der Autoren heißt Arthur Ponsoby und sein Buch trägt den Titel „Lügen zur Kriegszeiten“. Ponsoby, der von 1910 – 1918 im englischen Unterhaus Mitglied der Liberalen Partei war, trat später zur Arbeiterpartei über und war ein Gegner des Krieges. Sein Buch veröffentlichte er im Jahre 1928. Welche Wege bezüglich der Propaganda eingeschlagen wurden, soll anhand folgender interessanter Abschnitte dargestellt werden:

„Das Kriegsministerium stellte ein Zirkular aus und forderte die Offiziere auf, über die Kriegszustände mit dem Feind Bericht zu erstatten. Weiterhin wurde hinzugefügt, dass die Vorfälle nicht unbedingt wahrheitsgetreu geschildert werden mussten und dass die Mitteilung eines normalen Zustandes ausreichen würde“ ( Seite 20 )

„Im wesentlichen sind die Lügen im Bezug auf die Grausamkeit erwünscht: Besonders in diesem Land ( England ) und in Amerika kann ohne Lügen kein Krieg durchgeführt werden. Es ist eine nationale Pflicht, den Feind zu diffamieren.“ ( Seite 22 )

Sogar bei gewöhnlichen Vorfällen, die kein Resultat hervorbringen, bringt die Bezeugung der Menschen kein absolutes Vertrauen. Und falls sich die Vorurteile, die Aufregungen, die Begierden und der Patriotismus unter die Gefühle mischen, wird die Aussage eines Menschen vollständig wertlos. Es ist unmöglich, den vollen Umkreis der Grausamkeitsgeschichten zu bedecken. Dies wurde mit Broschüren, Postern, Briefen und Anreden tagelang wiederholt. Sogar diejenigen berühmten Persönlichkeiten, die davor zurückschreckten, ihren Erzfeind auf Grund unzureichender Beweise zu verurteilen, hielten sich nicht davor zurück, ein ganzes Volk mit jeder Art von vorstellbaren Grausamkeiten und unnatürlichen Morden zu beschuldigen.“ ( Seite 129 )

„Für außergewöhnliche Personen ist ein, mit einem Fotoapparat erstelltes Bild im großen Maße vertrauensvoll. Man kann sich nichts interessanteres, als ein authentisches Bild vorstellen. Niemand würde für ein Foto Zweifel aufkommen lassen und falls festgestellt werden sollte, dass diese gefälscht sind, dann wäre es schon zu spät dazu. Während des Krieges wurde die Fotomontage zu einer regelrechten Industrie. Das haben alle Länder gemacht, doch die diesbezüglichen Experten waren die Franzosen.“
( Seite 135 )

„Während des Massenmordes im Jahre 1905 wurden in Russland zahlreiche Fotos gemacht, eines dieser Fotos, auf dem eine Reihe von Leichen, die mit einer Menschenmenge umgeben ist auf dem Boden lag, wurde am 14 Juni 1915 in der Zeitung „Le Miroir“ veröffentlicht und war mit dem Titel die Morde der SS-Behörden in Polen versehen. Mehrere andere Artikel dieser Art wurden in anderen Zeitungen veröffentlicht. ( Seite 136 ).

Der zweite Autor Allen Lane und sein Buch mit dem Titel „Lasst das Feuer im Hause weiter brennen“. Manche Artikel dieses Buches sind wie folgend:

„Brutale Geschichten entstehen in jedem Krieg. Ziel dazu ist, eine Vision entstehen zu lassen, an der Angst und Hass orientiert sind (Seite 3)“.

„Der Krieg ist zugunsten aller universalen und einfachen Ideale zu begründen und dazu werden von Begriffen, wie Freiheit, Recht, Demokratie, Christentum und auch anderen nationalen Idealien Gebrauch gekacht. (Seite 4)“.

Zum Thema Propaganda ist es zu sagen, was C.F. Dixon Johnson mit einem Satz mitteilt:

„Wir glauben, dass Geschichten zum Thema Massenmord am Ende zu Ungunsten der Türkei sind und im Interesse der englischen politischen Lage stehen. Darum braucht sich diese Nation nicht zu entschuldigen, mit der wir über Jahre Verbündete waren.“

QUELLE:
Gürün, Kamuran: Ermeni Dosyasi, TTK, Verlag, Ankara 1983, Seite 40 – 44.

AKTIVITATEN DER MISSIONARE

Es wurde festgestellt, dass die ersten Missionare, die in die Türkei kamen, Protestanten waren, und der „British and foreign Bible Society“ angehörten und nach der Gründung dieser Organisation im Jahre 1804 damit begannen, aus Izmir in das Innere Anatoliens Missionare zu schicken. Die amerikanischen Missionare kamen ab dem Jahre 1819.

Im Jahre 1896 kamen 7 Missionare aus Amerika und 4 aus England, die unterschiedlichen Kirchen angehörten und verteilten sich im Osmanischen Reich. Nur aus Amerika kamen 176 Missionare und bei ihnen waren 869 örtliche Gehilfen angestellt. Folgende anatolische Städte trugen eine Mission: Bursa, Izmir, Merzifon, Kayseri, Sivas, Trabzon, Erzurum, Harput, Bitlis, Van, Mardin, Antep, Maras, Adana, Hacin, Ankara, Yozgat, Amasya, Tokat, Arapkir, Malatya, Palu, Diyarbakir, Urfa, Birecik, Elbistan und Tarsus.

Obwohl die Missionartätigkeiten die armenischen Aufstände nicht unterstützten, spielten sie bei der Vorbereitung des Fundamentes für den Aufstand eine bedeutende Rolle. In den Berichten, die während und nach den Aufständen aus den Provinzen zugestellt wurden, wird mit Einzelheiten über die Missionareinsätze berichtet.

QUELLE:
Gürün, Kamuran: Ermeni Dosyasi, TTK Verlag, Ankara, 1983, S. 40 – 44.

DIE ROLLE DER KIRCHE

Am 29. März 1863 trat unter dem Namen „Bestimmungen für das Armenische Volk“ eine Bestimmung in Kraft, die den Zustand der armenischen Gesellschaft im Osmanischen Reich noch mehr verstärkte, ihnen weitere zusätzliche Rechte gab und ihre Selbstverwaltung für unabhängig erklärte. Diese Bestimmung, die den Armeniern zusätzlich zu ihren vorhandenen Rechten, zahlreiche neue Rechte hinzugab, ist gemäß den Bestimmungen der Reformverordnung eine Belohnung an die, seit Hunderte von Jahren als treueste Staatsangehörige anerkannten Armenier. In dieser, mit dem Einverständnis des Osmanischen Reiches direkt seitens der Armenischen Patriarchenräte aufgestellten Bestimmungen wurden den Armeniern unangemessene Privilegien wie z.B. „Staat innerhalb eines Staates“ und „Verwaltung innerhalb einer Verwaltung“ zugeteilt. Die Armenier wollten mit dieser „Völkerbestimmung“ in einer Hinsicht die Gewaltherrschaft der edlen Armenier beheben. In dieser Zeit lebten die gregorianischen Armenier unter der Verwaltung ihres Patriarchen in Istanbul, in 26 bischöflichen Residenzen und die katholischen Armenier, von denen die meisten in der Stadt lebten, standen unter der Verwaltung eines Patriarchen und lebten in 13 bischöflichen Residenzen (1). Der armenische Schriftsteller Kagik Ozanyan erklärte, dass diese Bestimmung bei den Armeniern den Revolutionsgedanken hervorgebracht hat und damit „Die Armenier- Frage auf die Tagesordnung gebracht wurde“ (2).

DIE UNABHÄNGIGKEITSARBEITEN DER ARMENISCHEN KIRCHE

Nachdem im Jahre 1863 die „Bestimmungen für das Armenische Volk“ veröffentlicht wurden, begannen die Patriarchen mehr auf der nationalen und politischen Seite zu arbeiten. Diese Bestimmungen stellten für die Armeniern einen Schritt zur Unabhängigkeit dar und sie hofften, dass falls, der auf Grund der Vorfälle in Libanon aufgetretene Eingriffe Europas erweitert werden sollte, damit sie einen Nutzen daraus ziehen können. Die im Osmanischen Reich für die unabhängige Armenien aufgetretenen Aufstände (zwischen den Jahren 1780 -1862) führten zu keinem Ergebnis (3).

Der Führer des Gedanken, ein unabhängiges Armenien im Osmanischen Reich zu gründen, ist der Patriarch Migirdic Hirimyan (1869 – 1873). Der im Jahre 1820 in Van geborene Migirdic Hirimyan wurde im Jahre 1854 im Alter von 34 Jahren zum Priester (4) der Akdamar- Kirche und somit auch zum Mitglied der Kirche. Mit der, im Jahre 1858 im Varak Kloster in Van, gegründeten Druckerei begann er für die Unabhängigkeit der Armenier die Zeitung mit dem Titel „Van- Adler“ herauszubringen und im Jahre 1863 veröffentlichte er im St. Garabed- Kloster in Mus die Zeitung mit dem Titel „Mus- Adler.“ Hirimyan weckte mit seinen Predigten Interesse und wurde 1869 in Istanbul zum armenischen Patriarchen gewählt. (5)

Nachdem er zum Patriarchen gewählt wurde, erwachten die nationalen Interessen der Armenier und stiegen bis an die Spitze. Der Patriarch Hirimyan begann sofort nach seinem Dienstantritt auf zwei Grundsätzen zu arbeiten:

a. Eine erneute Untersuchung der „Bestimmungen für das armenische Volk“ und die Überarbeitung dieser nach den Wünschen und Bedürfnissen der Provinzen,

b. Das Interesse Istanbuls, des Parlaments und der Regierung auf Armenien zu ziehen. (6)

Einige Bankangestellte, Juweliere und Staatsbeamten, die zur Hirimyans- Politik, die Armenier in Abenteuer zu bringen, nicht zustimmten und ihre Zukunft darin sahen, an die Türkei gebunden weiterzuleben, leisteten gegen ihn Widerstand. Als Hirimyan schließlich seinen Zweck als Patriarch nicht erreichen konnte, musste er im August 1873 sein Amt niederlegen.

Der Patriarch Nerses Varjabedyan (1874 – 1884) trat an seine Stelle und ging in den Fußstapfen Hirimyans. Im Jahre 1876 kam Abdülhamit II. an den Thron und verkündete den I. Konstitutionalismus. Nerses Varjabedyan übergab dem englischen Generalbotschafter Henry Elliot bei der Istanbul- Konferenz, die sich zur Lösung des Bulgarien-Problems versammelte (12. Dezember 1876 – 20. Januar 1877) einen, seitens des ehemaligen Patriarchen Hirimyan aufgestellten Bericht, der über den, angeblich auf den osmanischen Armeniern ausgeübten Druck berichtete, erlangte jedoch auf Grund des Themas der Konferenz kein Resultat (7).

Die Beschwerdenberichte und -anträge, die zur Zeit des Hirimyans begannen, nahmen nach dem Problem der Christen im europäischen Teil einen ernsthaften Zustand an. Nach der Untersuchung der, seitens des Patriarchats bei der Osmanischen Regierung und den europäischen Staaten eingereichten Unterdrückungsberichte wurde festgestellt, dass die meisten dieser nicht weiter als einfache, in den Provinzen vorgekommene Vorfälle waren. Während das Patriarchat einerseits jeden Vorfall systematisch übertreibend an die Regierung weiterleitete, wurden diese andererseits in Form von wichtigen Vorfällen an die Vertreter der europäischen Staaten übermittelt.

Vor dem Osmanisch-Russichen Krieg in den Jahren 1877 – 1878 kamen für die Armenier zwei Wege in Frage:

a. Dem Osmanischen Reich und den Türken treu bleiben.
b. Die Bewegungen der anderen christlichen Gesellschaften, die sich im Osmanischen Reich aufhielten verfolgend voranzugehen und den Eingriff der europäischen Staaten zu ermöglichen.

Patriarch Nerses berichtete in seinem Brief vom 13. April 1878 an den englischen Außenminister Lord Salisbury folgendermaßen:

„Von nun an ist es unmöglich, dass die Armenier zusammen mit den Türken leben. Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Glaubensfreiheit kann nur von einer christlichen Verwaltung gewährleistet werden. Die christliche Verwaltung sollte an die Stelle der islamischen treten. Armenien (Ostanatolien) und Kilikien (8) sind diejenigen Orte, an denen die christliche Verwaltung gegründet werden muss… Dies ist der Wunsch der türkischen Armenier… Es bedeutet also, dass auch im Türkei-Armenien, genauso wie in Libanon, eine unter Sicherheit gestellte christliche Verwaltung verlangt wird. “ (9)

Patriarch Nerses besuchte am 17. März 1878 den englischen Generalbotschafter Layard in Istanbul und es fand folgendes Gespräch statt: „Vor einem Jahr hatten wir keine Beschwerden bezüglich der osmanischen Verwaltung , doch der russische Sieg hat den Zustand verändert, wir fordern im Osten ein unabhängiges Armenien. Falls Sie uns dabei nicht weiterhelfen können, werden wir uns diesbezüglich an Russland wenden.“ Als der Botschafter ihn fragte, was er mit Armenien meine, antwortete er „Van, Sivas, Diyarbakir und Kilikien.“ Als der Botschafter meinte „Ja, aber in keinem dieser Orte seid ihr in der Mehrheit“, erläuterte er das Ziel der Armenier mit folgenden Worten „Das wissen wir, aber jetzt erweitert Russland sein Land nach Osten, das Machtgleichgewicht zwischen Russland und dem Osmanischen Reich hat sich verändert. Wir müssen auch an unsere Zukunft denken.“ (10)

Der Osmanisch- Russische Krieg (1877 – 1878) wurde am 31. Januar 1878 nach dem Friedensantrag der Osmanen mit dem Waffenstillstand in Edirne abgeschlossen (11), die Friedensvoraussetzungen wurden in Ayastefanos (Yesilköy) festgesetzt. Während der Besprechungen zu den Friedensvoraussetzungen in Haghi Stephanos führten Nerses Varjabedyan persönlich und einige armenische Angesehene ein Gespräch mit Grandük Nikola, dem Vorsitzenden der russischen Delegiertenkommission und dem Bruder des Zaren und schafften es, der Vereinbarung einen Artikel im Bezug auf die Armenier hinzuzufügen. Die am 3. März 1878 zwischen dem Osmanischen Reich und Russland unterzeichnete und relativ schwere Bestimmungen beinhaltende Haghi- Stephanos-Vereinbarung hatte in seinem 16. Artikel mit der Benennung „Armenien“ die Existenz eines solchen Landes vorgelegt. Doch diese Vereinbarung trat nicht in Kraft.

Als der Patriarch Varjabedyan davon erfuhr, dass die Haghi- Stephanos-Vereinbarung in Berlin geändert werden sollte, trat er in Aktion und zeigte vor allen, an dem Kongress teilnehmenden Staaten eine intensive Aktivität. Zu diesem Zweck fuhr Horen Nar Bey, der Erzbischof von Besiktas nach Russland (St. Petersbug) und wurde seitens Zar Alexander des II. empfangen. Horen Nar Bey bat den Zaren darum, die osmanischen Armenier weiterhin zu beschützen und ihren Kampf beim Kongress in Berlin zu verteidigen. Eine andere Gruppe fuhr unter der Führung des ehemaligen Patriarchen Hirimyan in die Hauptstädte Europas (Rom, Wien, Paris, London) und versuchte die Politiker durch Propaganda für den Armenischen Kampf (Hai- Tahd) zu gewinnen. Diese Gruppe hatte zur Gründung Armeniens in der Türkei ein, aus 7 Artikeln bestehendes Projekt aufgestellt, dass die Wünsche der Armenier darstellte. (12)

Der Patriarch Nerses Varjabedyan hatte einerseits in dem Brief ( 13) an Karekin Papazyan, dem armenischen Komiteevorsitzenden in Manchester erklärt, dass ihre Politik, Russland dankend und von England Hoffnung erhaltend an Materiellen und geistlichen Wohlstand zu gelangen ist, und erklärte andererseits bei seinem, am 30. Juni dem Generalbotschafter von England abgestatteten Besuch, dass sie ihr Projekt beim Kongress eingereicht haben und verlangte, dass England dieses Projekt unterstützt sollte. (14)

Der Patriarch Nerses hat den großen Staaten außerdem Kirchenstatistiken über die, im Osmanischen Reich lebenden Armenier zugeschickt, die jedoch im Bezug auf die Einwohnerzahl relativ übertrieben waren.

Schließlich wurde diese künstliche Angelegenheit durch einige kleine Umänderungen des 16. Artikels der Ayastefanos-Vereinbarung als 61. Artikel des, am 13. Juli 1878 unterzeichneten, Berliner Abkommens anerkannt. Somit wurde die „Armenier- Frage“ als eine, unter Aufsicht der großen Staaten im Osmanischen Reich durchzuführende „Reformangelegenheit“ festgesetzt.

Nuryaz Ceraz, die zusammen mit Patriarch Hirimyan als Übersetzerin/Sekretärin am Berliner- Kongress teilnahm, hat in ihrer 1879 veröffentlichten Broschüre betont, dass die Armenier mit den Resultaten des Berliner- Kongresses nicht ihre Hoffnung verlieren sollen und sprach sie folgendermaßen an: (15 )

„Der Berliner- Kongress…. hat das Fundament für den zukünftigen zu gründenden nationalen Bau (der Armenische Staat ) angelegt … Europa hat uns hierfür die Waffen zur Verfügung gestellt. Wir müssen diese Waffen benutzen, bevor sie verrosten… Mit dem Berliner- Kongress haben wir eine Goldmine erhalten, es ist nun unsere Aufgabe, diesen Bergbau zu betreiben und das Gold auszugraben.“

Wie in dieser Broschüre zu sehen ist, wird den Armeniern empfohlen, eine bewaffnete Aktion durchzuführen, die seitens der europäischen Staaten unterstützt wird.

Der Patriarch Nerses Varjabedyan glaubte daran, dass diese Angelegenheit mit einer Revolution und einem Aufstand bewältigt werden müsse und um dieses Fundament aufzustellen hat er im Patriarchat eine „Reformkommission“ gegründet. In dem, Mitte 1879 an die bischöflichen Residenzen zugestellten Rundschreiben wurden die Armenier mit einem Satz zum Aufstand aufgerufen. In diesem Rundschreiben standen die Anforderungen an die armenischen Gläubigen, die sich in den Provinzen befanden (16).

Inzwischen beschäftigte sich Erzbischof Mateos Izmirliyan, der stellvertretende armenische Patriarch in Istanbul damit, an die bischöflichen Residenzen Briefe zu schreiben. Nach Untersuchung dieser Briefe wurde festgestellt, dass das Patriarchat sich in einem verräterischen Zustand befand, und dass das geführte Verhalten danach gerichtet war, die Regierung zum Umsturz zu bringen, einen fremden Eingriff zu gewährleisten und schließlich eine Unabhängigkeit zu erhalten. ( 17 )

Zu den verschlüsselten Schreiben, die in den Jahren 1881 und 1882 an das Innenministerium eingereicht wurden und über die staatsfeindlichen Aktionen des Patriarchats berichteten, nahm Hakki Pascha, der Gouverneur von Sivas folgendermaßen Stellung: (18)

Das Patriarchat hat begonnen, an die Bischöfe Rundschreiben zuzuschicken, die auf die Vorbereitungen auf eine Revolution und einen Aufstand hinweisen. Das Patriarchat hat die vernünftigen, älteren Bischöfe und Priester, die eingesehen haben, dass eine Revolution und ein Aufstand kein Ausweg für die Armenier ist, dass dem armenischen Volk dadurch ein Schaden zugefügt wird und ihre Befehle demnach nicht befolgten, wurden von ihren Diensten verwiesen (einige von ihnen wurden ermordet) und anstelle dieser, junge und revolutionäre Bischöfe und Priester angestellt. Das Patriarchat hat mit seinen geheimen Rundschreiben in die Volkszählung eingegriffen, was eigentlich eine Sache des Staates ist und Studien aufgestellt, nach denen die Armenier angeblich in 6 Provinzen in der Mehrheit sind. Das Patriarchat hat von den Armeniern unter verschiedenen Namen ( Hilft den notdürftigen Armeniern, die Auszahlung der Schulden von Jerusalem u.ä.) Steuern einbezogen und in der europäischen Presse zugunsten der Armenier und gegen die Türken umfangreiche Propaganda durchgeführt. Hierzu haben sie versucht, die Türken für die Mordvorfälle verantwortlich zu halten und nicht den Tatsachen entsprechende Mordnachrichten verbreitet. Zusammengefasst haben sie die Vorfälle umgedreht und eine Kampagne mit falschen und verleumdenden Aussagen gestartet. Hunderte von Liras (Goldstücke), wurden seitens des Patriarchats von den Armeniern unter dem Namen „Hilfe“ eingesammelt. Mit einem Teil dieser Gelder haben sie aus Russland nach Ostanatolien bewaffnete Terrorgruppen und Rebellen eingeführt und somit eine Terrorbewegung gestartet. Die Priester haben in zwei bis drei Jahren, die Gedanken aller Armenier bis zu den Kleinkindern in den Armenierschulen verändert und den Respekt vor den Befehlen der Regierung, sowie die Befolgung dieser von Grund auf zerrüttet.

Das Patriarchat hat die Gründung der Komitees unterstützt und an diese große Geldspenden weitergeleitet. Es ist vom Nutzen darauf hinzuweisen, dass die Komitees unter der Leitung des Patriarchats waren.

Nach dem Tod von Nerses Varjabedyan im Jahre 1884 wurde Harutyun Vehabedyan (1885 – 1888) der Bischof von Erzurum, im Jahre 1885 zum Patriarch gewählt. Vehabedyan billigte die Politik von Migirdic Hirimyan und Nerses Varjabedyanund glaubte daran, dass für die Besserung des Zustandes der Türkei-Armenier von Europa keine Hoffnung zu erwarten sei.

Zur Zeit von Harutyun Vehabedyan, der drei Jahre lang Patriarch blieb, entwickelten die armenischen Aufstandskomitees ihre Organisationen und eröffneten in Europa und in den USA weitere Zweigstellen. Nun stand der armenische Nationalismus mit anderen Worten die Unabhängigkeit fordernde revolutionäre Bewegung neben der Kirche und wurde auf die armenischen Revolutionsparteien übertragen. Die erste armenische politische Partei, die einen bestimmten Einfluss gewann, sich nach dem Modell der europäischen Vorgänger organisierte und sein eigenes Presseorgan besaß, war die „Armenagan“, die im Jahre 1885 in Van gegründet wurde (19). Im Jahre 1887 gründeten die Armenier in Genf ihre erste marxistische Partei. Diese nahmen später, im Jahre 1890 den Namen „Revolutionäre Hintschak- Partei“ an ( 20 ).

Zur Zeit von Horen Aþýkyan ( 1888 – 1894) dem Hauptpriester des Klosters von Izmit und dem Nachfolger von Harutyun Vahabedyan wurden die in den Provinzen auftretenden einfachen Vorfälle seitens der dortigen Bischöfe übertrieben und nach der entsprechenden Interpretation als „Türkische Unterdrückung und Folter“ ( ! ) an Europa weitergeleitet, woraufhin auch ein diesbezüglicher Eingriff gefordert wurde.

Doch die armenischen Revolutionäre haben auf Patriarch Horen Asikyan mit der Begründung, er könne die von ihm verlangte Aktivität nicht durchführen, ein Attentat verübt. Der Patriarch wurde dabei nur verletzt und ist nach diesem Vorfall von seinem Dienst zurückgetreten. ( 21 )

Anstelle von Horen Asikyan wurde Mateos Izmirliyan ( 1894 – 1896 ), der ehemalige Patriarch von Ägypten, zum armenischen Patriarch von Istanbul gewählt, was die Hintschaks sehr erfreute. Er hat auch diejenigen Beamten angestellt, die Komiteemitglieder waren. Izmirliyan hat nicht nur den Revolutions- und Aufstandsgedanken verbreitet, sondern auch alle Arbeiten der Regierung schwer kritisiert und an das englische Generalkonsulat und an die Londoner Zeitungen Berichte zugeschickt (22).

Die Aufstände, die zur Zeit von Mateos Izmirliyan für die Unabhängigkeit der Armenier durchgeführt wurden, verbreiteten sich rasch in fast allen Provinzen (23). Diese Aufstände wurden mittels des Geschicks von Abdülhamit II. in kurzer Zeit unter Kontrolle genommen. Als Izmirliyan daraufhin von seinem Amt austrat und nach Jerusalem zog, wurde er nach seiner Rückkehr nach Istanbul zum zweiten Mal ( 1908 – 1909) zum Patriarchen ernannt (24).

DIE VERKÜNDUNG DES KONSTITUTIONALISMUS UND DIE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN KIRCHE – TASCHNAK – HINTSCHAK

Als am 23. – 24. Juli 1908 der II. Konstitutionalismus verkündet wurde, wurde das Patriarchat mit seiner ganzen Existenz zu einer Revolutionäreinrichtung. Die armenische Kirche nahm auch nach dem Konstitutionalismus seinen Platz im Terror ein.

Der Bericht mit der Zahl 602 (25), der am 3. Dezember 1910 von der russischen Botschaft in Bitlis an den russischen Botschafter in Istanbul geschickt wurde, bringt die Beziehung zwischen der Kirche und den Taschnak-Angehörigen mit ganzer Klarheit ans Tageslicht.

Direkt nach dem „Vorfall vom 31. März“ in Istanbul war der Staat vorläufig ohne Regierung, was den Armeniern die erwartete Gelegenheit bot. Der mit der Förderung des armenischen Bischofs Museg in Adana am 14. April 1909 zustandegekommener Armenieraufstand wurde mit dem Zweck organisiert, das Interesse der europäischen Länder zu wecken, sie zum Eingriff zu bringen und in Adana, Maras, Mersin und Iskenderun mit Hilfe der Hintschaks einen armenischen Staat zu gründen ( 26 ). Bei den 13-tägigen Vorfällen in Adana kamen rund 20.000 Türken und Armenier ums Leben, Bischof Museg flüchtete schon am zweiten Tag der Revolution nach Alexandria.

Zur gleichen Zeit, am 29. Mai 1909 fuhr Mateos Izmirliyan, der armenische Patriarch von Istanbul los, um anstelle des am Oktober 1907 verstorbenen Ecmiyazin Kathogisen Migirdic Hirimyan an das Kathogismus Amt zu treten, und an seine Stelle wurde der Patriarch Yegice Turyan (1909 – 1911) ernannt (27). Nach ihm wurde Hovannes Arsaruni ( 1912 – 1913 ) zum Patriarchen gewählt ( 28 ).

„DIE BESTIMMUNGEN DES ARMENISCHEN KATHOGISMUS UND DES PATRIARCHATS“

Die seitens des armenischen Patriarchats zum Zweck der Teilung des Landes durchgeführten Aktivitäten führten dazu, dass die im Jahre 1863 seitens des Staates mit den „Bestimmungen für das armenische Volk“ eingeführten Rechte abgeändert werden mussten. Mit dem am 10. August 1916 in Kraft getretenen neuen „Bestimmungen für den armenischen Kathogismus und des Patriarchats“ ( 29 ) wurde nur der geistliche und überlegene Kathogismus, anstelle des halbgeistlichen, halbpolitischen und administrativen Patriarchats mit den Befugnissen beider Ämter zusammengeführt und das Amt Kathogismus-Patriarchat eingeführt. Zwei Kathogismen, die im Osmanischen Reich vorhanden waren ( Sis und Akdamar ) und zwei Patriarchate ( Istanbul und Jerusalem ) wurden aufgehoben und anstelle dieser das Amt Kathogismus-Patriarchat eingeführt. Der Sitz dieses Amtes wurde nicht im politischen Staatszentrum Istanbul, sondern im christlichen Religionszentrum Jerusalem versetzt. Auch die Patriarchaträte wurden umgeändert und der aus 140 Personen bestehende hohe Rat wurde aufgehoben, anstelle davon wurde ein aus 12 Mitgliedern bestehender Religionsrat und ein gemischter Rat gegründet. Der Zweck des Osmanischen Reiches war es, mit diesen Bestimmungen den Kontakt zwischen dem Eçmiyazin Kathogismus, Russland und den osmanische Armeniern abzubrechen. Somit wurde versucht, die osmanischen Armenier vom geistigen Schutz der Russen zu befreien.

Das Osmanische Reich verlor den Ersten Weltkrieg und wurde nach den, am 30. Oktober 1918 mit den verbündeten Staaten unterzeichneten Bestimmungen des Waffenstillstandes von Mundros besetzt. Jetzt begann die Befreiung des Landes und die Gründung eines neuen Staates, der Türkischen Republik.

DIE ARBEITEN DES PATRIARCHEN ZAVEN EFENDI

Der Waffenstillstand von Mudros war ein wichtiger Schritt bei der Gründung Armeniens. Gemäß den Bestimmungen von 1918 gründete der am 6. Dezember 1918 aus Ýstanbul eingetroffene armenische Patriarch Zaven Efendi ( 30 ) eine Organisation zur Gründung eines unabhängigen Armeniens, sammelte Waffen, Munition und Geld, um die finanziellen Mängel aufzuheben und wurde vom Patriarchat im europäischen Teil in großem Umfang unterstützt (32).

Unter dem Titel „Vertreter der türkischen Armenier“ wandte sich Bogos Nubar Pascha am 30. November 1918 an die verbündeten Staaten und forderte die Gründung eines unabhängigen Armeniens und den Schutz dieser Unabhängigkeit seitens der verbündeten Staaten und des Völkerbundes ( 33 ). Auf der anderen Seite fuhr auch Patriarch Zaven Efendi am 12. Februar 1919 von Istanbul nach Paris und von dort nach London, um seine Studien bezüglich der Realisierung der gleichen Sache fortzuführen. Zaven Efendi klärte Bogos Nubar Pascha bei einer Besprechung über einige Sachen auf und führte andererseits mit Lord Cecil, Lord Curzon und seinem Gehilfen Lord Harding, sowie mit dem Franzosen Chambon und dem griechischen Ministerpräsidenten Venizelos weitere Gespräche ( 34 ). Um den Dank der Armenier auszudrücken, besuchte er den englischen König George V. (35). Nachdem Zaven Efendi von London nach Paris zurückkehrte führte er mit dem französischen Staats- und Ministerpräsidenten eine Besprechung und kehrte äußerst zufrieden zurück (36).

Nach der Gründung der Türkischen Republik und nach dem Friedensvertrag von Lausanne gab es keine Armenier- Frage mehr und abgesehen von der Problematik der armenischen Kirche war die Republik gegen alle Angelegenheiten, was die armenische Gesellschaft anging. Das armenische Patriarchat zeigte immer noch Reaktion gegen den angeblichen Völkermord an Armeniern.

Schließlich hat Dikran Kevorkan, der Vorsitzende der armenischen Kirche in Kandilli, beim TV-Programm mit dem Namen „Ceviz Kabugu“, das am 07. Oktober 2000 ausgestrahlt wurde, auf die in den letzten 6 Monaten erneut vorgeworfene Propaganda, über den Völkermord und über die Umsiedlung folgende Erläuterung gemacht :

„Völkermord und Umsiedlung (ein Teil der Bevölkerung anderswo ansiedeln, ansässig machen) haben andere Bedeutungen. Die Spiele der Imperialisten, die apolitischen Gedankenführer (Medien, Kirchen, Geistliche) der armenischen Verwalter, haben zu all diesen Vorfällen geführt. Der Patriarch ist ein geistlicher Führer. Es ist ein Fehler, den Patriarchen in politischen Themen nach seiner Meinung zu fragen. Was hätten die ASALA und die PKK tun können, wenn die imperialistischen Mächte nicht hinter ihnen gestanden hätten?“

Über die Assimilationsbehauptungen sagte Kevorkan folgendes:

„Weltweit können heute die Armenier am stärksten ihre eigene Identität in der Türkei wahren. Der Armenier im Ausland, in der Diaspora tritt in den Kampf, in dem er seinen Namen ändert. Denn dort versucht man, mit einer anderen Kultur, die Kultur dieser Menschen zu unterdrücken. Die Armenier in der Diaspora, die heute gegen die Türkei sprechen, wissen all zu gut, dass in bestimmten Kirchen in Amerika die Predigten nur in englischer Sprache abgehalten werden können.

Die Armenier verlernen ihre Muttersprache. Und wenn man das sagt, dann heißt es, man sei böser Mensch. Aus diesem Grund bringen wir als armenische Bürger in der Türkei unser Bedauern zur Sprache. Und warum? Weil dem, von Atatürk uns anvertrauten Geist der Kuvay-i Milliye (nationale Streitkräfte im nationalen Befreiungskampf der Türkei) Unrecht getan wird. Alles ist das Spiel, der im Ausland Lebenden. Die PKK, die ASALA, diese Resolution, all dies sind ein Spiel von ihnen. Wir, die in der Türkei lebenden Bürger glauben, dass ungerecht gehandelt wird. Falls die Armenier klug sind, sollten sie sich nicht als Mittel ausnutzen lassen.“

QUELLEN:

Ortayli, Ilber: Lokale Verwaltungstradition vom Tanzimat bis zur Republik, Istanbul 1985, S. 73.
Esat Uras, og W., S. 412.Siehe Erdal, Ilter: Die Perspektive der Armenier-Angelegenheit und die Zeytun- Aufstände ( 1780 – 1880 ), Ankara 1988, S. 97 – 115.Die geistlichen Titel der armenischen Kirche sind folgende:
Kathogismus, Patriarchat, Bischhof, Vartabed, Priester.
Esat Uras: ogW., S. 417, Louse Nalbandian, a.g.e., S. 53.
Kamuran Gürün: ogW., S. 62,-74 .
Mit dem Ausdruck Armenien ist hier Ostanatolien gemeint. Doch es wurde wissenschaftlich anerkannt, dass der Begriff Armenien kein ethnischer, sondern ein geographischer Ausdruck ist. Der Name Armenien bedeutet soviel wie „Hohes / Oberes / Gebirgsgebiet“ und wird seit dem XIII. Jh. in diesem Gebiet (Ostanatolien) bis zur zweiten Hälfte des XIX: Jh. als „Türkmenenland“ bezeichnet. Für weitere Informationen bitte siehe H.Kemal Türközü, Der Name Türkmenenland (Ostanatolien) und der Einfluss des Imperialismus, Ankara, 1985, S. 1 – 12.
Kamuran Gürün, ogW., S. 1 – 9.
Mehlika Akok Kasgarli: a.g.e., S. 329.
Tuncer Baykara: Einführung in die historische Geographie Anatoliens, Die administrative Einteilung Anatoliens, 1, Ankara 1988, S. 24 – 25.
Esat Uras: ogW., S. 417.
Salahi, Ramsdan: Sonyel, The Ottoman Armenians, S. 41. Kilikien, ist ein Gebiet, das zwischen dem Taurusgebirge, dem Amanos Gebirge und dem Mittelmeer liegt. Im administrativen Sinn ist Kilikien die Bezeichnung für die Provinz Adana im Osmanischen Reich. Die Grenzen Ziliziens haben sich von zeit zu Zeit geändert. F. O. 424 / 70, Nu. 134 / I Zikr. , Bilal N. Simsir, British Dokuments On Ottoman Armenians ( 1856 – 1880 ), Vol I, Ankara 19 R2, S. 173, Dokumentennummer 69.
Kamuran Gürün: a.g.e., S. 99
Nihat Erim: Zwischenstaatliche Rechts-, Politik-, und geschichtstexte : Abkommen im Osmanischen Reich, C. 1, Ankara 1953, S. 381 – 385. Für das gesamte Projekt siehe Esat Uras,ogW.: S. 459 – 485.
Enver Ziya, Karal: a.g.e., Band VIII, S. 132; L’ Angleterre et les Armeniens (18391904), S. 19 – 22.
Für den Brieftext siehe, Esat Uras: ogW., S. 485 -486.Kamuran Gürün: a.g.e., S. 104Turkey- Nr. 4 ( 1880 ), Nu. 118 / I, zikr.
Bilal ,N. Simsir: ogW., S. 602 – 606.
Dokumentennummer- Nr. 309.Mehmet, Hocacioglu: Armenierbedrückung in der Geschichte und die Armenier , Istanbul, 1976, S. 181 – 182.Zum Inhalt des Briefes siehe Aspirations et Agissement Revolutionnaires des Comites Armeniens …, S. 308 – 310Mehmet, Hocaoglu: ogW, S. 182 – 185Louise, Nalbandian: ogW, S. 90Louise, Nalbandian: ogW, S. 104, 1 17.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sesat, Uras: a.g.e., S. 724 – 725. Für den Drohbrief, der Horen Asikyan, seitens der Hincak Organisation zugeschickt wurde, siehe Aspirations et Agissement Revolutionnaires des Comites Armeniens …, S. 310 – 311Hüseyin Nazim Pascha: Geschichte der Armeniervorfälle, I, Ankara 1994, S. 66. Für die chronologische Reihenfolge der Aufstände siehe, Kamuran Gürün, ogW, S. 139 – 159.

 

Esat, Uras: a.g.e., S. 833.
Salahi, Ramsdan Sonyel: a.g.e., S. 281.

Aspirations et Agissement Revolutionnaires des Comites Armeniens …, S. 95 – 103.

Für genaue Informationen über die Vorfälle in Adana im Jahre 1909 siehe Cemal Pascha,

Hatirat ( 1913 -1922 ), Istanbul 1922, S. 249 – 256.
Esat Uras: a.g.e. S. 810 – 829.
Mehmet, Asaf: Die Armeniervorfälle und Erinnerungen im Jahre 1909 in Adana, vorbereitet von Ismet Parmaksizoglu, Ankara 1982.

Salahi, R. Sonyel: “ The Turco – Armenian Adana Incidents in the light of Secret British Dokuments ( Juni , 1908 – Dezember , 1909), “ Belleten, Zahl : (20. Dezember 1987 ), S. 1291 – 1338.

Jacques de Morgan: a.g.e., S. 369.
Raymond H. Kevorkian-Paul B. Pboudjian: Les Armeniens dans L’ Empire Ottoman, paris 1992, S. 29.

Jacques de Morgan: a.g.e., S. 369

BOA, DUIT, NU. 67 / 1 – 1; Für die Bestimmungen in französischer Sprache siehe Hrant Vartabed, L’ Empire Ottoman et LS’ Independance de L’ Eglise Armenienne, Publications du Dadjar, Nu. 2, Contsntinople 1917, S. 80 – 94.

Der armenische Bischof Zaven Efendi hat 1898 – 1906 in Erzurum, 1910 in Van, 1919 – 1913 in Diyarbakir gearbeitet, im September 1913 wurde er zum armenischen Patriarchen in Istanbul gewählt, wurde jedoch auf Grund seiner schädlichen Aktivitäten nach Bagdat versetzt. Nach dem Waffenstillstand von Mundros im Jahre 1918 kam er zurück nach Istanbul.
Für weitere Informationen siehe Christopher J. Walker: a.g.e., S. 426 – 427.
Außerdem siehe auch Zeki Sarihan, Tagebuch des Befreiungskrieges, I, Ankara 1993, S. 136 – 137.

Atatürk, M. Kemal: Nutuk I, 1919 – 1920, Istanbul, 1967, S. 2;

Selahattin Tansel, von Mundros bis nach Mudanya, I, Ankara 1973, S. 106

Ergünöz Akcora: “ Nutzvolle und gefärliche Gesellschaften, die während des nationalen Kampfes gegründet wurden“ TDTD, Ausgabe : 4 ( April 1987 ) , S. 20.

Für das Bewerbungsschreiben des Bogos Nubar Paschas siehe

Esat Uras a.g.e.: S. 923 – 924.
Esat Uras: ogW., S. 943 – 944.
Esat Uras: ogW., S. 943 – 944.
Esat Uras: ogW., S. 943 – 947.

DAS VERZEINIS DER AUFSTÄNDE

Die Periode, die mit Vorfall in Erzurum im Jahre 1890 begann und 1896 mit dem Aufstand in Van endete, wird im Westen als die Zeit des großen Völkermordes dargestellt.

Nalbadian nach wurden „In dieser Zeit 50.000 – 300.000 Armenier ermordet“

David Marshall schrieb, zwischen 1894-96 seien 200.000 Armenier ermordet worden.

Pastýrmacýyan nach, wurden 100.000 – 110.000 Armenier ermordet.

Misasskian dagegen schreibt: „Es wurden mindestens 300.000 Armenier ermordet.“

Die Zahl von Hepsius liegt bei 88.243. Es ist jedoch nicht bekannt, woher diese Zahl kommt. Er schreibt z.B., dass 1896 in Van 20.000 Armenier ermordet wurden. Dabei kamen die meisten Aufständischen in Van, aus dem Iran und es besteht kein Grund, an den Zahlen von Saadettin Pascha zu zweifeln. In Zeytun seien 6.000 Menschen umgekommen. Aghasi schreibt, dass 125 Menschen getötet worden sind. In englischen Unterlagen wird berichtet, daß nach dem Aufstand 3.000 Armenier an verschiedenen Erkrankungen ums Leben gekommen sind. Diese stehen in keinem Zusammenhang mit dem Aufstand.

Die Zahl von Bliss liegt für das Jahr 1895 bei 35.032.

Auch für die Armenier, die ihr Leben mit den Kugeln der aufständischen Armenier verloren haben, wird behauptet, dass die Türken sie umgebracht haben. Dabei liegt die Zahl der, im Jahre 1890 bei Aufständen ums Leben gekommenen Armenier höchstens bei 20.000.


Gleichzeitig muss auch die Zahl der, in dieser Zeit ums Leben gekommenen Moslems berechnet werden. Wenn wir Aghasis Behauptung, „Wir haben in Zeytun 20.000 Türken getötet“ ernst nehmen sollten, so würde die Zahl der moslemischen Verluste bei 25.000 liegen, und die der armenischen Verluste wäre das zweifache gewesen. Doch Tatsache ist, dass die Moslems innerhalb dieser zwei Jahre mindestens 5.000 Menschen verloren haben. Ein großer Teil dieser Moslems wurde grundlos erschossen und mit Bomben attackiert, nur damit die Zurückgebliebenen die Armenier angreifen sollten. Dies ist der eigentliche Völkermord

QUELLE:
Gürün, Kamuran: Ermeni Dosyasi, TTK Verlag, Ankara, 1983, Seite 167 – 68

DIE VORFÄLLE IN İZMİT UND ADAPAZARI

Als die Russische Flotte Eregli im Schwarzmeergebiet unter Beschuss nahm, begannen die dort lebenden Armenier auf Rechnung der Russen zu spionieren. Besonders die Armenier in Adapazari begannen Gerüchte zu verbreiten und Propaganda durchzuführen. Daraufhin wurden in Adana und Izmit zahlreiche Sprengstoffe, Gewehre, Pistolen, Soldaten- und Gendarmerieuniformen, Munition und Dynamitzündschnuren sichergestellt.

Nach den Aussagen, der in Adapazari und Izmit gefassten Aufständischen, sollten diese Waffen seitens der Russen gegen die türkischen Soldaten eingesetzt werden. Somit sollte ein allgemeiner Vernichtungsplan durchgeführt werden. Ein Teil der Armenier wollte diesen Kampf sogar in Uniformen der türkischen Soldaten antreten, um die türkische Armee dafür verantwortlich zu halten. Nachdem der Plan der Armenier durchschaut wurde, flüchteten die Führer der Aufständischen nach Bursa und Yalova, und ermordeten dort einige Türken.

Dagegen begannen die Armenier das Gerücht zu verbreiten, dass überall ermordet und gefoltert wird. Schließlich musste die Regierung harte Maßnahmen treffen. Ein Teil der armenischen Aufständischen wurde festgenommen, wogegen ein Teil flüchtete und somit davonkam.

QUELLE:
Sakarya, Ihsan: Belgelerle Ermeni Sorunu, Gnkur. Basimevi, Ankara, 1984, Seite 238.

DIE VORFÄLLE IN URFA

Nach der Ausrufung der konstitutionellen Periode haben die armenischen Komitees in Urfa, eine, aus Freiwilligen bestehende Organisation gegründet und die aus Ostanatolien übergesiedelten Armenier betrogen. Zu dieser Zeit wurde eine, 1895 beim Aufstand in Urfa für schuldig erklärte, nach Tripolis versetzte und nach der Ausrufung der konstitutionellen Periode mit einer Amnestie in die Türkei zurückgekehrte, sich als Priester ausgebende Person, seitens des armenischen Patriarchats in Istanbul nach Urfa geschickt. Diese Person hat den Aufstand der Armenier vorbereitet, sie zur Feindlichkeit gegen die Türken angeregt und über die Bedeutung von Waffen und Munition erzählt.

Der Vorfall in Sebinkarahisar vom 5. Juni 1915.

Zur Vorbereitung der Armenier in Urfa hatten auch die Russen eine große Bedeutung beigemessen. Denn das Gebiet Urfa befand sich auf der Hauptstraße von Ostanatolien nach Iskenderun. Den Banden in Urfa wurden Nahrungsmittel für acht bis zehn Jahre zur Verfügung gestellt. Die Eroberung Vans seitens der Russen hat die Provokationen und Propaganda der armenischen Aufständischen beschleunigt. Sie behaupteten, dass die Russen innerhalb von einigen Monaten über Diyarbakir- Siverek nach Urfa einmarschieren werden und riefen die Armenier zum Aufstand auf.

Das interessante bei den Vorbereitungen auf den Aufstand war, dass eine, für die Gebiete Zeytun, Sason, Bitlis, Antep bestimmte und aus Revolutionären, lokalen Banden und Fahnenflüchtigen bestehende bewaffnete Einheit für Arbeiten, wie Wasser tragen, Weizen mahlen, Brot backen, Kranke und Verletzte pflegen, Waffen reinigen, Befehle übermitteln, Munition herstellen und Besprechungen halten, gegründet wurde.

Während man auf eine günstige Zeit für den Beginn des Aufstandes wartete und dabei Waffen gesammelt und die im Jahre 1894 geborenen zum Militär einberufen wurden und die aus den Gebieten Zeytun, Sason, Diyarbakir, entflohenen armenischen Soldaten zu den Revolutionären beitraten, brachen im Dorf Germis und am 19. August 1915 im Zentrum von Urfa die ersten Aufstände auf.

Am nächsten Tag des Vorfalls in Urfa haben die Armenier versucht, ohne Erfolg die türkischen Offiziere und Arbeiter umzubringen.

Nach diesem am 28. August 1915 entstandenen Vorfall herrschte bis zum 29. September 1915 Ruhe. Der Aufstand in Urfa wurde seitens des armenischen Komitees sehr sorgfältig geplant und durchgeführt worden. Es wurde auch festgestellt, dass fremde Länder diesbezügliche Hilfen geleistet haben. Nach dem Aufstand flohen die Führer der armenischen Aufständischen in andere Gebiete. Es wurde dann bestätigt, dass die Auseinandersetzung am 16. Oktober 1915 ein Ende gefunden hat.

QUELLE:
Sakarya, Ihsan: Belgelerle Ermeni Sorunu, Gnkur. Basýmevi, Ankara, 1984, Seite 240 – 243.

DER VORFALL IN ŞEBİNKARAHİSAR

In Anatolien kamen zahlreiche Aufstände zustande. Eines davon ist der Vorfall in Sebinkarahisar vom 5. Juni 1915.

Ein armenischer Rebellenführer mit dem Namen Sivasli Murat (Hamparsum Boyaciyan) griff mit seinen 500 Männern Sebinkarahisar an. Da der Hauptversorgungsweg der Ostfront der türkischen Armee durch diesen Ort verlief, hatte das Gebiet eine strategische Bedeutung. Falls die Armenier dieses Gebiet erobern könnten, würden sich die Versorgungsdienste verzögern und dies wäre zum Vorteil der russischen Armee. Die Rebellen brannten den moslemischen Stadtteil von Sebinkarahisar nieder. Sie töteten durch Folterei zahlreiche Türken und griffen auch die Soldaten und Gendarmariekräfte an.

Der Aufstand der Armenier wurde mit zusätzlichen Kräften unterdrückt.

Das unter der Kommandantur des 10. Generalkommandos in Sivas am 15. Juni 1915 zugestellten Nachricht wurden im Bezug auf diesen Vorfall folgende Ausdrücke verwendet:

„Es wurde bekannt, dass ca. 500 armenische Rebellen in der alten Burg von Sebinkarahisar einen Aufstand zustandegebracht haben. Die Gouverneurschaft von Sivas hat uns mitgeteilt, dass zwischen den Rebellen und den Sicherheitskräften Auseinandersetzungen stattgefunden haben.“

In der Nachricht der Gouverneurschaft von Sivas, an die Kommandantur des 3. Generalkommandos, vom 18 – 19. Juni 1915 heißt es:

„Es wurde mitgeteilt, dass der Aufstand in Sebinkarahisar unterdrückt, dass sich ca. 800 armenische Frauen, Männer und Kinder in der Burg versteckt haben, und dass ca. 200 der Rebellen bewaffnet sind. „

Quelle :
Sakarya, Ihsan: Das Armenier- Problem mit Nachweisen. Generalstabsdruckerei, Ankara, 1984, Seite 227 – 228.

DER VORFALL VON MUSA BERG

Der Musa- Berg befindet sich am Rande des Nur- Gebirges. Der Berg ist ca. 1.000 m hoch, mit großen Felsen und dichten Sträuchern bedeckt und sieht wie ein einziger, spitzer Block aus. Das seitens eines Juden Namens Verfel geschriebenes Buch mit dem Titel „40 Tage auf dem Musa- Berg“ wurde von den amerikanischen Armeniern zu einem Kinofilm gemacht, um zu zeigen, welchen Misshandlungen sie angeblich unterlagen. Dieser, während des Ersten Weltkrieges zustandegekommene, Vorfall wird von General Fahrettin Türkkan, dem damaligen Gouverneur von Halep folgendermaßen geschildert:

„Als während des Ersten Weltkrieges verbreitet wurde, dass die Verbündeten-Staaten im Gebiet Iskenderun eine Truppenausladung durchführen werden, verweigerte das Volk von sieben armenischen Dörfern der Gemeinde Samandagi seine Steuerschulden an die Regierung auszuzahlen. Sie verweigerten die Hilfestellung für die türkische Wehrmacht und stiegen mit dem Ziel eines Aufstandes auf den Musa- Berg.

Daraufhin hat die Regierung Bematen beauftragt, in dieses Gebiet einzugreifen, doch die Armenier widerstezten und leisteten Waffenwiderstand. Oberst Galip, der Kommandant des Gebietes sah keinen anderen Ausweg und nahm mit dem Gendarmarieregiment die Wege, die vom Musa- Berg runterführten, unter Kontrolle. Er stieg anschließend persönlich auf den Musa- Berg um ein letztes Mal mit den Rebellen zu reden und bemerkte, dass sich niemand auf dem Berg befand. Nach den durchgeführten Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Armenier den Berg, von einem Abstieg Richtung Mittelmeer verlassen hatten. Oberst Galip verfolgte die Spuren bis zum Ufer und traf hier auf 20 – 30 tote Tiere.

Nach Untersuchungen wurde festgestellt, dass ein französisches Kriegsschiff, dass die Ufer unter Kontrolle hielt, die Armenier auf ein Zeichen vom Musa- Berg mit Booten abgeholt und auf das Schiff gebracht hattte. Dies wurde von der französischen Regierung bestätigt. Bei den Untersuchungen traf man auf dem Musa- Berg weder auf Leichen, noch auf Verwundete oder Kranke. Daraus kann herausgefolgert werden, dass das Thema dieses seitens des Juden Verfel geschriebenen Buches, das in fast alle Sprachen übersetzt und anschließend verfilmt wurde, aus der Phantasie entnommen wurde und zur Täschung der Öffentlichkeit eine Propagandaeigenschaft gegen die Türken trug.“

Dies ist der Vorfall am Musa- Berg. Der Zweck ist es hier, die Türken zu beschuldigen. Die Franzosen hatten während des Ersten Weltkrieges dem Gebiet Samandag, dass sie als wichtigste Ein- und Ausfahrtsstelle des Iskenderun- Gebietes und der Provinzen Halep und Hatay zum Mittelmeer betrachteten, besondere Bedeutung beigemessen. Aus diesem Grund haben die Franzosen die Stadt Iskenderun 6 mal bombardiert und die in diesem Gebiet lebenden Christen zum Aufstand motiviert. Der Zweck war es zwar, die Osmanische Regierung in einen schwierigen Zustand zu versetzen, doch bis zum Ende des Krieges fanden sie keinen Mut und keine Gelegenheit, einen derartigen Eingriff durchzuführen.

Quellennachweis :
Sakarya, Ihsan: Das Armenier Problem mit Nachweisen. Generalstabsdruckerei, Ankara, 1984, Seite 245 – 246.

DER FINDIKÇI VORFALL

Während der Umsiedlung der Armenier aus dem Gebiet Zeytun, die gegen die Osmanische Regierung Aufstände einleiteten, verteilten sich einige armenische Banden ins Gebiet, nördlich des Nur- Gebirges und griffen von dort aus, die türkischen Dörfer, die Militäreinheiten und die Gendarmerie an, brannten dort alles nieder und ermordeten zahlreiche unschuldige Menschen.

Nach einer Zeit versammelten sich im Frühjahr 1915 ca. 600 armenische Aufständische, die aus Zeytun, Saimbeyli, und Maras kamen, im Dorf Findikci, das 30 km vom Kreis Ayvalik entfernt und zwischen den Ortschaften Maras und Bahce lag und leiteten dort einen Aufstand ein. Sie brannten außerdem weitere vier Dörfer, die in der Umgebung lagen, nieder. Die Armenier aus dem Gebiet Maras versammelten sich auch in Findikci und das Dorf bereitete sich auf eine starke Verteidigung vor.

Dabei konnte mit einer, in diesem Gebiet eingesetzter Gendarmerieeinheit kein positives Ergebnis erzielt werden. Daraufhin wurde der Aufstand mit dem 132. Infanterieregiment aus Islahiye einem Infanteriebataillon aus Belen und einer Artillerieeinheit unterdrückt. Bei diesem Vorfall wurden mehr als 10 türkische Dörfer niedergebrannt und ca. 2000 Türken grausam ermordet.

Quellennachweis :
Sakarya, Ihsan: Belgelerle Ermeni Sorunu, Gnkur. Basimevi, Ankara, 1984, S. 243-244.

DIE VORFÄLLE VON BURSA

Bei den Durchsuchungen in Adapazari und Izmit, die nach den sich verbreitenden Aufständen und Unruhen der Armenier vorgenommen wurden, stellte man zahlreiche Waffen sicher. Als die armenischen Banden, die sich in Cengiler, Soloz, Orhangazi, Gemlik und Bilecik seit einiger Zeit organisiert hatten, davon erfuhren, griffen sie das türkische Volk an. Sie zwangen die Regierung, die Gendarmerie und die Militäreinheiten, sie zu verfolgen und versuchten durch Demoralisierung der an der Front gegen den Feind kämpfenden Soldaten sie zu schwächen.

Die armenischen Aufständischen verfügten über die modernsten Waffen und über Sanitätsmaterial und schlossen sich mit den aus Izmit und Adapazari geflüchteten Aufständischen zusammen. Die, 60 bis 70-köpfigen Gruppen verübten überall Angriffe. Die Aufständischen wurden vom Priester Barkef, seinem Sekretär Sokpa, dem Direktor der Armenierschule in Bursa, von dem Bediensteten der Kirche und weiteren Geistlichen angeführt.

QUELLE:
Sakarya, Ihsan: Belgelerle Ermeni Sorunu, Gnkur. Basimevi, Ankara, 1984, Seite 239.

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